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Datum:04.01.2021 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 7 Min.

Was hilft gegen Tabletten- und Nasenspraysucht?

Kopfschmerzen? Eine verstopfte Nase? Da ist der Weg zur Hausapotheke nicht weit. Und gegen gelegentliche Selbsthilfe spricht auch nichts. Geht es aber zu lange und zu häufig nicht mehr ohne, kann es zu ernsten Problemen kommen.

Verschreibungspflichtige Schmerzmittel, Schlaftabletten oder Beruhigungspillen können abhängig machen. Das ist bekannt. Aber wie steht es um die Kopfschmerztablette gegen den Brummschädel oder Nasenspray gegen den lästigen Schnupfen?

Schmerztabletten sollte man nicht länger als vier Tage am Stück und an nicht mehr als zehn Tagen im Monat einnehmen.

„Auch frei verkäufliche Medikamente besitzen Missbrauchspotenzial, denn rezeptfrei bedeutet nicht problemfrei“, sagt Prof. Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Zwar können die vermeintlich harmlosen Arzneimittel zu keiner psychischen Abhängigkeit führen, sehr wohl aber zu einer körperlichen.

Die Gefahren lauern vor allem hinter einer zu langen und unkontrollierten Einnahme. „Schmerztabletten sollte man nicht länger als vier Tage am Stück und an nicht mehr als zehn Tagen im Monat einnehmen. Andernfalls kann es zu starken Nebenwirkungen und Folgeschäden kommen“, warnt der Gesundheitsexperte.

Die Gefahren von Medikamentenmissbrauch

Als Folgen können sogenannte medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auftreten. Das heißt: Wer zu oft zu Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen und Co. greift, kann dadurch erst recht Kopfschmerzen bekommen. Weil sich das Gehirn und die Schmerzregler auf die chemischen Substanzen einstellen, wirken die Tabletten immer schlechter.

Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehört, immer nur bei einem Präparat zu bleiben.

Die Betroffenen reagieren darauf, indem sie die Dosis erhöhen – und geraten in einen Teufelskreis. Langfristiger Medikamentenmissbrauch kann aber nicht nur zu chronischen Kopfschmerzen, sondern auch zu Organschäden an Magen, Leber und Nieren führen. Damit es nicht so weit kommt, rät Professor Glaeske, Beipackzettel schon im Vorfeld aufmerksam zu lesen und Medikamente bestimmungsgemäß einzunehmen.

Zu diesen Vorsichtsmaßnahmen gehört auch, bei nur einem Präparat zu bleiben – also entweder Aspirin oder Paracetamol oder Ibuprofen zu verwenden  und nicht mehrere Wirkstoffe zu kombinieren. „Wer Medikamente sachgerecht anwendet, wird nicht abhängig.“ 

Wie sieht die Behandlung aus?

Übersteht man mehr als zehn Tage im Monat nicht ohne Arzneien, hilft nur eines: die Medikamentenpause. Die Dosis zu verringern oder Präparate seltener zu nehmen, bringt in diesem Fall nichts. Betroffene sollten die Schmerzmittel konsequent über mehrere Wochen absetzen.

„Bekommt man das nicht alleine hin, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden“, sagt Professor Glaeske. Diese Hilfe kann je nach Schweregrad vom Hausarzt, von Schmerztherapeuten oder in spezialisierten Kliniken erfolgen. Auch mögliche Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Unruhe sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

„Es dauert einige Wochen, bis sich alles wieder normalisiert und die Symptome verschwinden“, erklärt der Suchtforscher. Nach erfolgreicher Therapie darf man auch wieder den Arzneimittelschrank öffnen, wenn man leichte bis mäßige Schmerzen spürt. Vorausgesetzt, man ist bereit für einen verantwortungsvollen Umgang mit den kleinen Helfern. „Wichtig ist, den Konsum und die Gefahren im Blick zu behalten, um nicht rückfällig zu werden.“

Und was ist mit Nasensprays?

Millionen Deutsche greifen zu abschwellenden Nasensprays und Nasentropfen, um endlich wieder aufzuatmen. 120.000 aber können das Haus nicht mehr ohne die rezeptfreien Medikamente verlassen – und die Dunkelziffer dürfte Experten zufolge noch deutlich höher liegen.

Bei fortschreitenden Einsatz von Nasensprays können der Geschmacks- und Geruchssinn verloren gehen.

„Wer abschwellende Nasensprays und Nasentropfen länger als fünf bis sieben Tage nutzt, nimmt dramatische Folgen in Kauf“, sagt Professor Glaeske. Denn bei regelmäßigem Gebrauch gewöhnen sich die Nasenschleimhäute an die Wirkung: Sie werden empfindlich, schwellen dauerhaft an und geben den Betroffenen das Gefühl, ohne Spray oder Tropfen keine Luft mehr zu kriegen.

Bei fortschreitendem Einsatz können der Geschmacks- und Geruchssinn verloren gehen, im schlimmsten Fall drohen sogar Löcher in der Nasenscheidewand. Wer abschwellende Nasensprays und Nasentropfen über Wochen oder Monate konsumiert, sollte den Entzug mit einem HNO-Arzt planen, rät der Suchtforscher.

Wenn die Nase schnell verstopft, kann es helfen, Schritt für Schritt vorzugehen und zunächst nur ein Nasenloch zu entwöhnen. „Nach drei Wochen aber sollten auch hier alle Begleiterscheinungen der Vergangenheit angehören.“

Prof. Dr. Gerd Glaeske

Von Prof. Dr. Gerd Glaeske

Professor Dr. Gerd Glaeske ist Pharmazeut und Gesundheitswissenschaftler an der Universität Bremen.

Copyright: Raphael Hünerfauth, photothek.net.

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