Menü ausblenden

Kontakt

Service-Telefon

0800 1060100

Mo-Fr: 7.30 - 23.00 Uhr
Sa: 9.00 - 23.00 Uhr
So: 10.00 - 23.00 Uhr
Rückruf-Service

E-Mail

Nutzen Sie unser Kontaktformular, um uns eine Nachricht zu senden: Kontaktformular

Geschäftsstellen

Für eine schnelle Bearbeitung Ihrer Anliegen nutzen Sie bitte unsere zentrale Postanschrift:

Heimat Krankenkasse
Herforder Straße 23
33602 Bielefeld

Übersicht Geschäftsstellen

Datum:02.04.2021 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 8 Min.

Was ist der Vagusnerv und was hat er mit unserem Hungergefühl zu tun?

Nervus vagus! Noch nie gehört? Der Nerv steckt in uns allen und schaltet und waltet mehr, als es einem bewusst ist. Warum das so ist, was der Vagusnerv für die eigene Gesundheit bedeutet und was er mit einem knurrenden Magen zu tun hat, erklärt Neurowissenschaftler Dr. Nils Kroemer im Interview.

Herr Dr. Kroemer, was ist der Vagusnerv eigentlich?

Der Vagusnerv ist einer der Hirnnerven, der relativ viele Organe des menschlichen Körpers beeinflussen kann. Als einziger Hirnnerv reicht er vom Gehirn über das Herz bis in den Magen-Darm-Trakt – sein Name, im Lateinischen „nervus vagus“, leitet sich von der Idee ab, dass der Nerv weitläufig in unserem Körper umherschweift. Er übermittelt die Funktionen der inneren Organe an unser Gehirn und ist an der Regulierung des jeweiligen Organs direkt beteiligt.

Wenn wir zum Beispiel hungrig sind, kommuniziert der Vagusnerv das Bedürfnis des Magens nach Nahrung an unser Gehirn und übersetzt das Hungergefühl, damit wir den knurrenden Magen nachvollziehen können. Er steuert damit also auch unser Verhalten und unsere Reaktionen auf die Umwelt – denn wenn wir hungrig sind, begeben wir uns auf die Suche nach Nahrung.

Der Vagusnerv nimmt also direkten Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit?

Allerdings! Er fungiert in erster Linie als wichtige Schnittstelle, als Datenautobahn zwischen Gehirn und Organen, um unseren Körper im gesunden Gleichgewicht zu halten. In der Wissenschaft sprechen wir von Homöostase: dem Zustand, in dem alle unsere physiologischen Körperfunktionen stabil und ausgeglichen sind.

Dazu gehört ein geregelter Energiehaushalt ebenso wie der Blutdruck und unser Sättigungsgefühl: Wenn wir weder hungrig noch übermäßig satt sind, befinden wir uns in einem normalen Zustand, in dem wir uns anderen Dingen widmen können. Der Vagusnerv signalisiert uns also, ob unsere menschlichen, organischen Grundbedürfnisse gedeckt sind – und ob wir uns entspannen können oder anstrengen sollten.

Wie kommt es, dass ein so wichtiger Bestandteil unseres Körpers vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhält?

Nerven kann man sich – anders als zum Beispiel den Darm oder das Herz – nur schwer bildlich vorstellen. Über den Vagusnerv machen wir uns daher wenige Gedanken und sind uns nicht bewusst, dass etwa Hungergefühle nicht direkt aus dem Magen kommen, sondern über den Nerv kommuniziert werden.

Trotzdem gewinnt er zunehmend an Bedeutung: In der Neurowissenschaft erforschen wir aktuell neue Therapieverfahren, um durch die Stimulation des Vagusnerv verschiedene Erkrankungen zu behandeln. Damit könnte der Hirnnerv in den kommenden Jahren auch in der breiten Bevölkerung immer bekannter werden.

Was bedeutet es, den Vagusnerv zu stimulieren – und was erhoffen sich Neurologen davon?

Ziel der Vagusnerv-Stimulation ist es, sich die körpereigenen Steuerungsmechanismen des Nervs zunutze zu machen. Dazu können spezielle Stimulationsgeräte am Ohr angesetzt werden, denn dort verläuft ein Strang des Vagusnervs. Durch elektrische Impulse lässt sich dieser daraufhin so stimulieren, dass auch Hirnsignale verändert werden. Diese Signale könnten jemandem helfen, der an extremem Übergewicht leidet und dessen Sättigungs- und Hungergefühl aus dem Takt geraten ist, um wieder in die richtige Spur zu gelangen.

Die elektrische Stimulation trickst das Gehirn aus und suggeriert ohne Nahrungszufuhr ein Sättigungsgefühl, das über den Vagusnerv weitergeleitet wird. Nicht immer aber ist es so einfach – es gibt eine breite Palette an Verhaltensweisen, von Glücksgefühlen bis hin zu besonderen sozialen Situationen, in denen wir mit Absicht aus dem Gleichgewicht treten. Alkohol und Zigaretten sind prominente Beispiele, die der eigenen Gesundheit nicht zuträglich sind, aber trotzdem bewusst konsumiert werden.

Kann man den Vagusnerv auch selbst trainieren? Helfen Entspannungstechniken und körperliche Übungen, um ihn zu aktivieren?

Der Vergleich zu Entspannungsverfahren wie Meditation und Yoga liegt zwar nahe, wissenschaftlich erwiesen ist der Zusammenhang mit dem Vagusnerv jedoch nicht. In die Funktion des Vagusnervs wird aus esoterischer Sicht viel hineininterpretiert, immerhin hängt er mit vielen unserer Organe zusammen und nimmt damit indirekten Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ihn aktiv durch Praxisübungen im Alltag ansteuern zu können, darüber ist nachweislich jedoch nichts bekannt.

Eine Ausnahme bildet die professionell angewandte Akupunktur, die am Ohr ähnliche Effekte erzeugen könnte wie die elektrische Stimulation, aber auch hier wissen wir noch zu wenig darüber, wie lange diese Effekte tatsächlich im Gehirn anhalten. Grundsätzlich gilt: Wer gesund und aktiv lebt, sich vernünftig ernährt und das eigene Verhalten regelmäßig reflektiert, hat im Alltag gute Voraussetzungen für das innere Gleichgewicht.

Die Vagusnerv-Stimulation steckt dagegen noch in der Forschung, bietet aber großes Potenzial, um in den kommenden Jahren als echte Behandlungsalternative bei bestimmten Erkrankungen wie Adipositas eingesetzt zu werden, die wir bisher nicht ausreichend mit nicht-invasiven Methoden behandeln können.

Dr. Nils Kroemer

Dr. Nils Kroemer ist Nachwuchsgruppenleiter für neurowissenschaftliche Grundlagen von Motivation, Handlungen und Verlangen des Bereichs für Translationale Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Tübingen. Mehr Informationen zu seiner aktuellen Forschung im Bereich der Neurowissenschaften gibt es unter www.neuromadlab.com.

Weitere Angebote

Oft gesucht

Seiten

Häufige Fragen

Leistungen

Downloads

Alle Ergebnisse anzeigen