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Datum:06.01.2024 - Kategorie:Familie
Lesedauer:ca. 19 Min.

Fehlgeburt - wenn die Vorfreude sich in Trauer verwandelt

Viele Frauen erleben eine oder mehrere Fehlgeburten, bevor sie Mutter werden. Wie Sie eine Fehlgeburt erkennen und wie lange sie dauert, erfahren Sie im Artikel.

Kurz vor unserer Hochzeit blieb meine Regel aus und ich machte einen Schwangerschaftstest – positiv! Wir würden nicht nur den Bund fürs Leben eingehen, sondern auch Eltern werden. Wir freuten uns so sehr. Unser Glück schien unendlich. Doch wenige Wochen nach der Hochzeit wandelte sich das große Glück in dumpfe Trauer. Das neue Leben in meinem Bauch war erloschen.

Was ist eine Fehlgeburt?

„Wenn die Schwangerschaft endet, bevor das Kind lebensfähig ist, spricht man von einer Fehlgeburt oder auch Abort“, sagt Dr. Susanne Worms, Frauenärztin mit Praxis in Bielefeld. Als lebensfähig definiert die Medizin ein Baby mit mindestens 500 Gramm und ab der 24. Schwangerschaftswoche.

Vom Ausbleiben der Periode bis zur 12. Schwangerschaftswoche spreche man von einem Frühabort, sagt Worms. Sterbe der Embryo bis zur 16. Woche, sei es ein Abort, bei einem Ende der Schwangerschaft nach der 16. Woche handele es sich um einen Spätabort. Als Frühgeburt gilt ein Ende der Schwangerschaft ab der 24. Woche.

Ich war in der siebten Woche, als auf dem Ultraschall kein Herzschlag zu sehen war.

In welcher Woche ist eine Fehlgeburt am häufigsten?

Die meisten Aborte kommen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen vor. Die Ursache sind schwerwiegende Chromosomenveränderungen und Fehlbildungen, Infektionen, Stress oder anderen Faktoren. Danach nimmt die Häufigkeit stark ab.

Wie groß ist das Fehlgeburtsrisiko generell?

Das Risiko liegt generell bei 5 Prozent. Je älter eine Frau und damit ihre Eizellen sind, desto größer ist das Risiko für genetische Veränderungen. Während eine 25-Jährige nur ein 15-prozentiges Risiko hat, liegt es bei einer 35-Jährigen bei 21 bis 23 Prozent. Eine Über-40-Jährige trägt ein 40-prozentiges Risiko. Ich war 39.

Was sind die häufigsten Gründe für Fehlgeburten?

Die häufigste Ursache sind chromosomale Veränderungen. Der Mensch hat 46 Chromosomen, aufgeteilt in 23 Paare. Bei der Befruchtung verschmelzen die Chromosomensätze von Ei und Samenzelle und bilden einen kompletten neuen Chromosomensatz von 23 Paaren. Gibt es nach der Verschmelzung zu viele oder zu wenige Chromosomen, kann sich der Fötus nicht entwickeln und stirbt. Das passende Aufteilen der Chromosomensätze funktioniert bei älteren Frauen häufiger nicht mehr.

Auch Virusinfektionen, darunter banale Infekte wie eine fieberhafte Erkältung oder ein Magen-Darm-Infekt, können zu einem vorzeitigen Ende der Schwangerschaft führen.

Mögliche Ursachen sind auch Defekte in der Gebärmutter (Uterus), sodass das befruchtete Ei keine Stelle findet, wo es sich einnisten kann und wo die Gebärmutterwand gut durchblutet ist. Das kann Zufall sein oder hormonell bedingt, dass die Gebärmutterschleimhaut nicht gut aufgebaut, sondern unterversorgt ist. Auch ein Myom (gutartige Wucherung in der Muskelschicht des Uterus) oder Polyp (Wucherung der Schleimhaut) kann unter oder an der Schleimhaut sitzen und ihre Funktion beeinträchtigen.

Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüsesowie eine Gerinnungsstörung des Blutes können wiederholt zu einem Abort führen und eine erfolgreiche Schwangerschaft verunmöglichen. Bei einer Gerinnungsstörung sind mikroskopisch kleine Blutgefäße der Gebärmutterschleimhaut verstopft und führen zu einer mangelhaften Durchblutung und damit Minderversorgung. Dadurch kann sich die Keimzelle nicht einnisten.

Welche Risikofaktoren gibt es für Fehlgeburten?

  • Ist die Schwangere über 35, erhöht sich das Risiko deutlich.
  • Auch chronische Erkrankungen der Schwangeren wie Diabetes mellitus, Übergewicht, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Gerinnungsstörungen oder Bluthochdruck erhöhen das Risiko.
  • Hormonelle Störungen wie Progesteronmangel
  • Erbgutdefekte von Mutter oder Vater
  • Blutarmut, die zur Unterversorgung des Fötus mit Sauerstoff führen kann
  • Fieberhafte Infekte, die wehenähnliche Kontraktionen der Gebärmutter anregen
  • Zwei oder mehr Aborte in der Anamnese (habitueller Abort)
  • Mangelernährung: Leidet eine Schwangere etwa unter Eisenmangel, ist die Sauerstoffversorgung des Fötus schlechter. Entwicklungsstörungen oder ein Abort können die Folge sein. Auch ein Mangel an anderen Nährstoffen wie Vitamin B12, Folsäure oder Jod kann das Ungeborene schädigen.

Rauchen, Alkohol und Drogen können zu Fehlbildungen des Fötus führen, jedoch keinen Abort auslösen.

Körperliche Überanstrengung kann keinen Abort auslösen.

Wir haben in Österreich geheiratet. Zwei Tage nach der Hochzeit liehen wir uns Mountainbikes und machten eine Bergtour. Ich sah nicht, dass der Akku meines E-Bikes ausgeschaltet war und wunderte mich, wie schwer ich treten musste. Es ging nur bergauf. Irgendwann war ich völlig entkräftet. Nach den Flitterwochen stellte die Ärztin fest, dass der Embryo nicht mehr lebt. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob die Überanstrengung der Grund gewesen sein kann. Ob ich mein Kind damit umgebracht habe.

„Körperliche Überanstrengung kann keinen Abort auslösen“, beruhigt mich Worms. In anderen Teilen der Welt lebten und arbeiteten Frauen unter ganz anderen Bedingungen und würden auch schwanger und bekämen Kinder. Der Embryo bzw. Fötus sei im Körper der Mutter optimal geschützt. Eine Schwangere könne einen Abort nicht durch eigenes Fehlverhalten provozieren. Der Embryo war sehr wahrscheinlich einfach nicht lebensfähig.

Wie lange dauert der Abgang bei einer Fehlgeburt?

Der Abgang dauert etwas länger als die normale Menstruation. Weiß die Schwangere nicht, dass der Embryo abgestorben ist und bekommt auf einmal Blutungen, sind es wenige Stunden, in denen sie starke Schmerzen verspürt und stark blutet. Das dauere etwa einen Tag, sagt Worms. Daran schließe sich eine Blutung wie eine starke Menstruation an, die vier oder fünf Tage anhalten kann. Es kann jedoch zwischen wenigen Tagen und bis zu zwei oder drei Wochen dauern, bis der Körper den Embryo abstößt.

Welche Symptome hat eine Fehlgeburt?

Hat die Frau keinen Schwangerschaftstest gemacht und weiß nicht, dass sie schwanger ist, wird sie einen Abgang in der 5. oder 6. Woche häufig überhaupt nicht als solchen wahrnehmen, sondern als verstärkte Periode. Auch wenn der Embryo gestorben ist, der Körper das aber bislang nicht gemerkt hat und ihn deshalb bisher nicht abstößt (missed Abortion oder verhaltene Fehlgeburt) bemerkt die Frau das häufig nicht.

Der natürliche Abgang etwas später in der Schwangerschaft geht vorwiegend mit Schmerzen und starken Blutungen einher. Die Schmerzen werden verursacht durch die Kontraktionen des Uterus und dass der Muttermund sich öffnen muss, ähnlich wie bei einer Geburt. Je größer der Fötus, desto weiter muss sich der Muttermund öffnen und desto mehr tut es weh. Die Blutungen können zwei- bis dreimal so stark sein wie eine normale Menstruation. Einige Patientinnen haben Angst davor und gehen deshalb in die Klinik. „Wenn man das zu Hause durchstehen möchte, muss man wissen, dass die Blutung sehr stark ist“, sagt Worms. Dies sei jedoch normal und halte nur wenige Stunden an.

Eine Frau kann sich auch dafür eine Hebamme suchen. Geburtshelferinnen werden auch für diese Art des Beistandes ausgebildet. Auch hier seien schmerzlindernde Maßnahmen möglich, sagt Worms.

Schmierblutungen, Unterleibsschmerzen oder Kontraktionen des Uterus können Anzeichen für einen drohenden Abort sein. Schlägt das Herz des Kindes und ist die Schwangerschaft noch intakt, soll die Schwangere Ruhe einhalten.Der Abgang von Blutklumpen, Gewebeanteilen und das plötzliche Nachlassen von Schwangerschaftsanzeichen wie morgendliche Übelkeit und Brustspannen deuten auf einen durchgemachten Abort hin.

Typische Merkmale für eine beginnende oder bereits fortschreitenden Abort in der späteren Schwangerschaft:

  • nachlassende oder ausbleibende Kindesbewegungen.
  • vorzeitige Wehen mit oder ohne Abgang von Fruchtwasser (Blasensprung)
  • heftige Blutungen mit oder ohne Abgang von Blutklumpen und Gewebe.

Kindesbewegungen nehme die schwangere Frau jedoch frühestens in der 18. Schwangerschaftswoche wahr, sagt Worms. Sterbe das Kind in diesem Stadium, sei es eine Totgeburt. Kommt das Baby ohne erkennbare Lebenszeichen zur Welt, spricht man auch von einer stillen Geburt.  Wehenhemmende Medikamente gebe man erst ab der 26. Schwangerschaftswoche.

Wie wird eine Fehlgeburt diagnostiziert?

Entweder hat die Schwangere keine Symptome und kommt zur Routineuntersuchung zur Frauenärztin und die stellt bei der Ultraschalluntersuchung fest, dass kein Herzschlag da ist und das Baby nicht mehr lebt (verhaltener Abort).

Oder die Schwangere bekommt auf einmal Blutungen und Schmerzen. Auch dann müsse ein Ultraschall gemacht werden, um zu sehen, was los ist, sagt Worms. Blutungen kämen auch bei intakten Schwangerschaften vor. Treten sie jedoch zusammen mit starken Schmerzen auf, deutet das auf einen Abort hin.

Ich ging damals in der 7. Schwangerschaftswoche zur Routineuntersuchung zur Frauenärztin. Auf dem Ultraschall regte sich nichts. Kein Herzschlag.

Wie erfolgt die Behandlung bei einer Fehlgeburt?

Die Frauenärztin empfahl mir eine Ausschabung. Ich ging in die Klinik, und unter Vollnarkose wurde meine Gebärmutter ausgesaugt. Hohles Gefühl im Bauch. Leer. Ich empfand eine dumpfe Trauer.

Die Frau könne selbst entscheiden, ob sie die Ausschabung oder den natürlichen Abgang wähle, sagt Worms. Einige Patientinnen wollen den natürlichen Abgang nicht abwarten oder sind nicht bereit, die Schmerzen und Blutungen durchzustehen. Sie können das Abstoßen des Embryos mit einem Medikament beschleunigen oder sich für eine Ausschabung entscheiden. Das Medikament heißt Prostaglandin.

Es gebe wenige medizinische Gründe für den instrumentellen Eingriff der Ausschabung oder Aussaugung, sagt Worms. Aus medizinischer Sicht sei es besser, wenn der Körper das selbst regele.

Man muss nicht alles allein durchstehen.

Was tun nach einer Fehlgeburt?

Ist der Fötus in einer späteren Schwangerschaftswoche gestorben und hat die Betroffene den natürlichen Abgang gewählt, sollte sie sich danach erst einmal schonen. „Nach diesen Schmerzen und Blutungen kann man nicht herumlaufen und arbeiten“, sagt Worms. Hinzu kommen die seelische Wunde und die Trauer. Die Frau solle erst einmal zu Hause bleiben. Betroffenen Eltern empfiehlt Worms, sich bei Bedarf eine psychologische Unterstützung zu suchen. „Man muss nicht alles allein durchstehen.“ Beratungsstellen wie die von Pro Familia können eine Anlaufstelle für die Trauerbegleitung sein.

Welche Hilfe nach Fehlgeburt im Wochenbett?

Frauen haben auch nach einem Abort Anspruch auf die Hilfe einer Hebamme, die sie in ihrer Trauer begleitet. Die Kosten für einen Rückbildungskurs werden übernommen, wenn dieser neun Monate nach dem Abort beendet wird. 

Wann wieder schwanger nach einer Fehlgeburt?

Nach einem Abort dauert es meist einige Zeit, bis die Frau wieder schwanger werden kann. Der erste Zyklus dauert häufig fünf bis sechs Wochen. Solange empfiehlt Worms zu verhüten, damit sich die Gebärmutterschleimhaut wieder gut aufbauen kann. Habe sich die Patientin für einen natürlichen Abgang entschieden, müsse der Gynäkologe lediglich kontrollieren, ob sich die Gebärmutter vollständig entleert hat. Dann kann die Frau sofort wieder schwanger werden. Ist Gewebe im Uterus geblieben (unvollständiger Abort), muss es abgesaugt werden.

Der Operateur verursache mit der Saugkürette unter Umständen kleine Verletzungen des Uterus. Deshalb empfehle sie Paaren, nach so einem Eingriff drei Monate zu warten, bevor sie wieder versuchen, schwanger zu werden. Bei einem natürlichen Abort wird der Uterus dagegen nicht verletzt. Deshalb könnten es Paare nach der ersten Periode wieder versuchen.

Ich wurde zwei Monate nach der Ausschabung wieder schwanger. Meine Frauenärztin hatte mir gesagt, nach der ersten Periode könnten wir es wieder versuchen. Unser Sohn ist heute vier Jahre alt. Und er hat eine 13 Monate alte Schwester. Inzwischen sind wir glückliche Eltern von zwei wunderbaren Kindern.

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