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Datum:13.05.2020 - Kategorie:Im Fokus
Lesedauer:ca. 8 Min.

FOMO – wer verpasst was?

Wochenlang konnten wir kaum etwas unternehmen. Kein Kino, kein Restaurant, kein Treffen mit Freunden. Für Menschen die unter FOMO, der Angst etwas zu verpassen, leiden, eine Zeit zur Selbsttherapie. Oder? 

Fomo kann überall stattfinden

„FOMO“ heißt ein Phänomen, unter dem immer mehr besonders junge Menschen leiden. Gemeint ist damit die „Fear of missing out“, auf Deutsch „die Angst etwas zu verpassen“. Durch soziale Medien kann diese Angst verstärkt werden, angesichts einer Bilderflut im Internet von schönen Dingen, die woanders, aber nicht einem selbst passieren. Doch gibt es dieses Phänomen nicht erst seit dem Siegeszug der sozialen Medien, sagt Dr. Julia Brailovskaia von der Fakultät für Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum. „Das kann auch im Arbeitskontext auftreten, etwa wenn ein Mitarbeiter krank ist und das Gefühl hat, an dem Tag etwas zu verpassen und am nächsten Tag in der Cafeteria nicht mitreden zu können, also ausgeschlossen zu sein. Dementsprechend ist dieses Phänomen schon ganz alt.“ 

Psychische Gesundheit leidet

Doch was tun bei all der Bilderflut und den Informationen, die im Internet kursieren? Fomo hat viele Gesichter. Die einen konsumieren nur Informationen, seien es Nachrichten, Meinungen. Sie scrollen ihre Kanäle nur durch, saugen alles auf und blicken auf die Leben anderer. Und die anderen generieren selbst Inhalte, stellen sich dar und teilen sich mit. Brailovskaia spricht von aktiver und passiver Nutzung. Beide Formen können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Die passive Nutzung führe laut der Psychologin eher zu Neid. „Man vergleicht ständig und bekommt das Gefühl, andere sind glücklicher. Das beeinträchtigt die psychische Gesundheit und führt dazu, dass die Lebenszufriedenheit reduziert wird.“ 

Reduzierung des Wohlbefindens

Brailovskaias Erfahrung nach, ist diese Angst, etwas verpassen zu können, insbesondere bei narzisstischen Personen extremer ausgeprägt. „Menschen, die im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen wollen, die immer dabei sein wollen.“ Sie sind entsprechend aktiver in den sozialen Medien, suchen die Interaktion. „Das führt zu dem Gefühl, sozial unterstützt zu werden und kann kurzfristig das Wohlbefinden fördern“, erklärt die Expertin.

Aber langfristig steigt eher das Suchtempfinden, weil man immer mehr davon braucht und noch mehr Angst hat, etwas zu verpassen.

Die Folge: Reduzierung des Wohlbefindens. 

Dauerhaft online

Außerhalb der digitalen Welt findet derzeit auf Grund der Corona-Krise deutlich weniger als normal statt. Möglichkeiten auf Konzerte zu gehen oder sich im Urlaub am Strand ablichten zu lassen, gibt es nicht. Man muss also keine Angst haben, etwas zu verpassen, oder? Nicht ganz. Videos vom Sport zuhause, Yoga oder Kochen, Livestreams von Prominenten und Künstlern – vieles läuft online, was sonst offline gelaufen wäre. Das Neid-Empfinden sei hier vielleicht weniger ausgeprägt, glaubt Brailovskaia, weil andere beispielsweise auch nicht in den Urlaub fahren. Doch ist man dauerhaft online. „Und auch dann fürchtet man, etwas zu verpassen, wenn man jetzt mal eine Stunde weggeht. Das fördert eher diese Entzugssymptome und das Gefühl, ständig online sein zu müssen. Das sind Suchtsymptome.“ 

Vorteile der Regulierung

Doch wie kann man dem Entgegenwirken? Die Disziplin zur Regulierung des Online-Konsums dürfte vielen Menschen relativ schwerfallen. Apps, die anzeigen, wie lange man andere Apps nutzt, können dabei helfen. Ob die, die solche nutzen, tatsächlich ihre Zeit am Bildschirm verringern, ist fraglich. Doch schon kleine Schritt können Erfolg bringen – und die Gesundheit fördern. Das belegt eine kürzlich veröffentlichte Studie von Brailovskaia. Diese zeigt über einen Zeitraum von drei Monaten, dass bei Teilnehmern, die täglich allein 20 Minuten weniger bei Facebook sind, die Lebenszufriedenheit steigt, sie mehr Sport getrieben haben und die Raucher auch weniger geraucht haben. Darüber hinaus sei es ratsam, die Meldefunktion des Smartphones abzustellen.

Irgendwann kann es auch zu Phantomgefühlen kommen, dass man denkt, das Handy hat vibriert, obwohl es das nicht getan hat.

Die Umstellung auf einen solchen Umgang sei schwer, kann Brailosvkaia anhand von Studien belegen, doch kann es dauerhaft eben positive Effekte haben. 

Brailovskaia plädiert für mehr Offline-Unterstützung. Zu telefonieren, jemanden in den Arm zu nehmen (wenn es die Corona-Regeln zulassen) und zu trösten, „das kann negative Einflüsse reduzieren“. Online erfahre man kurzfristige Bestätigung, auch von einer größeren Gruppe. Persönlicher ist das allerdings kaum und wird dauerhaft eher schaden als nützen. 

Wer herausfinden will, ob er selbst ein Problem mit Fomo hat kann sich anhand eines von Forscher Andrew K. Przybylski entwickelten Fragebogens überprüfen. Fragen wie „Ich fürchte, andere machen mehr belohnende Erfahrungen als ich“ können hier beantwortet werden. Der Test ist in englischer Sprache.

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