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Datum:01.10.2021 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 10 Min.

Die Brust richtig abtasten: Darauf sollten Frauen achten

Zur Brustkrebsfrüherkennung ist das Abtasten der Brust besonders wichtig. Ein Gynäkologe erklärt das exakte Vorgehen und blinde Frauen der Initiative discovering hands helfen mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Wie kann ich eine Brust-Selbstuntersuchung durchführen?

Bei der Brustkrebsfrüherkennung können nicht nur Profis wie Ärzte vorsorgen, sondern jede Frau mit einer taktilen Selbstuntersuchung auch selbst. Um sie an der eigenen Brust durchzuführen, ist ein gründliches und bestimmtes Vorgehen erforderlich, das von Gynäkologe Dr. Sebastian Kraus in unserem Video genau beschrieben und gezeigt wird.

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Zunächst sollten gute Rahmenbedingungen wie helle Lichtverhältnisse herrschen, um Veränderungen im Brustbereich, an den Brustwarzen und der Haut gut sehen zu können, so Gynäkologe Dr. Kraus. Im Stehen vor einem Spiegel kann man am besten auf Farbveränderungen der Haut, Hauteinziehungen, Größenunterschiede oder dunkle Flüssigkeitsaustritte um und an der Brustwarze achten. Die sollte noch vor der taktilen Selbstuntersuchung geschehen. 

Wie taste ich meine Brust richtig ab?

Im Schneckensystem von außen nach innen, linear von unten nach oben oder abschnittsweise: Mit welchem System Frauen nach der äußerlichen Betrachtung mit zwei bis drei der mittleren Finger die Brust abtasten, ist egal. Wichtig ist, dass stets dieselbe Reihenfolge der Selbstuntersuchung eingehalten wird, um Veränderungen wie Knoten sicherer zu erkennen. Auch treten wenige Zentimeter um die Brustwarzen herum die meisten bösartigen Befunde auf, weshalb dieser Bereich besonders gründlich abgetastet werden sollte, so Dr. Kraus.

Bei der Selbstuntersuchung der Brust sollte am besten mit drei verschiedenen Druckstufen getastet werden. Zunächst mit leichtem Druck alle Teilbereiche der Brust abtasten. Anschließend die Untersuchung in der gleichen Reihenfolge mit mittlerem Druck wiederholen. Zuletzt mit sehr festem Druck die Brust abtasten, um bis zum Brustmuskel unter dem Drüsenkörper zu gelangen. Es gilt dabei, mit der linken Hand die rechte Brust und mit der rechten Hand die linke Brust abzutasten.

Ist der äußere Bereich der Brust abgetastet, sind der Warzenvorhof und die Brustwarze an der Reihe. Auch hier mit verschiedenen Druckstufen in gleicher Reihenfolge tasten und mit leichtem Druck an der Brustwarze schauen, ob dunkle Flüssigkeiten austreten. Tritt etwas Wasser aus, besteht kein Grund zur Sorge. Während der gesamten Selbstuntersuchung kann zur Unterstützung die andere Hand unter die Brust gelegt werden. Hierbei sollte aber darauf geachtet werden, nicht zu fest zu drücken.

Wie können Frauen Brustkrebs selbst ertasten?

Auch der Bereich unter der Achselhöhle gehört beim Thema Brustkrebs dazu. Dazu die Hand über den Kopf nehmen und mit der anderen Hand tief in die Achselhöhle hinein tasten. Durch Infekte, aber auch Impfungen können die Lymphknoten an dieser Stelle anschwellen, weshalb Veränderungen an dieser Stelle zunächstkein Grund zur Sorge sind. Dennoch wird „kein Arzt böse sein“, wenn ein Termin wegen eines unsicheren Befunds bei der eigenen Tastuntersuchung gemacht wird, betont Dr. Kraus.

Unsicherheiten aufgrund von vermeintlichen oder ungefährlichen Befunden können schnell auftreten, denn Gewebeveränderungen, die auf ein Mammakarzinom, den Brustkrebs, hindeuten können, sind überhaupt erst ab einer Größe von circa einem Zentimeter tastbar.

Wie fühlen sich Knoten an?

Aufgrund der geringen Größe können potenziell gefährliche Knoten leicht mit Zysten verwechselt werden. Diese können ebenfalls härter als das Brustgewebe sein, sind jedoch lediglich Wasseransammlungen und wie ein angespannter Handballen eindrückbar. Knoten fühlen sich beim Abtasten sehr hart an und ähneln einer Murmel. Die meisten ertasteten Befunde sind jedoch unauffällig, so Dr. Kraus.

Den eigenen Körper gut zu kennen, um Verwechslungen beim Abtasten so gut es geht auszuschließen, ist dennoch enorm wichtig. Die Kenntnis verbessert sich automatisch mit jeder Wiederholung der Untersuchung und einer stets gleichen Abfolge.

Wurden Veränderungen wie ein Knoten ertastet, sollte zur Überprüfung eine Untersuchung beim Arzt folgen. Dort kann mit bildgebenden Verfahren wie einem Ultraschall oder einem Mammografie-Screening sehr genau festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine ernstzunehmende Veränderung handelt. Entsprechende weitere Behandlungsschritte können nun eingeleitet werden.

Wie regelmäßig sollte ich die Brust abtasten?

Um die bestmöglichen Behandlungsoptionen nutzen zu können, muss Brustkrebs so schnell wie möglich erkannt werden. Daher sollte jede Frau ab dem Jugendalter einmal im Monat circa eine Woche nach der Regelblutung selbst die Brust abtasten. Dies ist der richtige Zeitpunkt, da das Brustgewebe dann besonders weich ist. Vielen Frauen gelingt die unkomplizierte und wichtige Tastuntersuchung bereits so gut, dass zwei Drittel aller Befunde von der Frau selbst ertastet werden, so Dr. Kraus. Ein großartiges Zeichen im Fortschritt gegen den Krebs!

Wer sich aber noch nicht sicher ist, wie sich eine Selbstuntersuchung ganz konkret anfühlen sollte, kann sich auch Tipps von der Initiative discovering Hands holen oder sich in einer teilnehmenden Praxis von medizinisch-taktilen Untersucherinnen abtasten lassen.

Das ist discovering hands

Blinde oder sehbehinderte Frauen haben nachweislich eine erhöhte Sensibilität des Tastsinns. Dieser wird von der Initiative discovering hands neun Monate lang so geschult, dass bereits minimale Veränderungen im Brustgewebe strukturiert erkannt werden können. Blind orientieren sie sich an festgelegten Markierungsstreifen. So sind die medizinisch-taktilen Untersucherinnen (MTU) von discovering hands in der Lage in 30- bis 60-minütigen Sitzungen circa 30 Prozent mehr Gewebeveränderungen wie Knoten auszumachen als Ärzte.

Je früher die Veränderungen bei einer MTU-Untersuchung erkannt werden, desto besser stehen in der Regel die Heilungschancen der laut Deutscher Krebsgesellschaft gefährlichsten Krebserkrankung bei Frauen. Genauere Informationen zu discovering hands als Anbieter von MTU gibt es unter www.discovering-hands.de.

Wie erfolgt die Kostenübernahme?

Unabhängig vom Alter bekommen Versicherte der Heimat Krankenkasse mit familiärer oder medizinischen Brustkrebsvorbelastung Kosten einer MTU von discovering hands in Höhe von 49,50 Euro einmal jährlich erstattet.

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