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Datum:16.06.2020 - Kategorie:Im Fokus
Lesedauer:ca. 6 Min.

Die Krux der sozialen Interaktion

Nach wochenlanger, eventuell sehr starker Isolation, fangen die Menschen wieder an, sich – auf Abstand – zu verabreden. Eine gute Nachricht, oder etwa nicht? 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und er ist gesellig. Dass er mehrere Wochen ungewollt zahlreiche Kontakte vermeiden musste, gehört wohl nicht zu seinen Kernkompetenzen. Und doch war und ist es zur Eindämmung des Corona-Virus eben notwendig, dass soziale Interaktion nicht in dem Maße stattfinden kann, wie wir es uns vielleicht wünschen. 

Wir versuchen, Bedürfnisse zu befriedigen

Keine einfache Situation. Denn Bindung ist eines der zentralen psychologischen Bedürfnisse des Menschen, erklärt Psychologe Jim Göddenhenrich aus Köln. Und sie werde durch soziale Interaktion gestärkt. Haben wir aber diese Bindung nicht, so wie in den zurückliegenden Wochen, besteht die Gefahr des Rückzugs. „Und wir versuchen, stattdessen irgendetwas zu tun, um dieses Bedürfnis anderweitig zu befriedigen“. Fernsehen, Essen, Alkohol – „aus der analytischen Therapie wissen wir, dass wir mit Suchtmitteln diese Bindung kompensieren können“, sagt Göddenhenrich.

Anstrengung für den Kopf

Mit zunehmenden Lockerungen einher geht auch, dass wir wieder mehr Menschen treffen dürfen. Die beste Freundin, den Kumpel, die Nachbarn, mit denen wir uns immer so gut verstanden haben. Doch nach so langer Zeit ohne soziale Kontakte kann ein Treffen von Angesicht zu Angesicht durchaus anstrengend sein. Warum? Weil schon der Zeitaufwand ein anderer ist. Den Fernseher anschalten, dazu ein Glas Wein trinken, das geht schnell, kostet kaum Mühe und wir erleben sofort eine Wirkung, sagt Göddenhenrich. Sich aber ausgehtauglich anziehen, aufs Rad oder in den Bus steigen und zum Treffpunkt fahren? Puh. Nach so langer Zeit ohne echte soziale Kontakte sei das „mit viel mehr Anstrengungen verbunden“. Schnell sind dann zwar Gesprächsthemen gefunden – vermutlich Corona – doch ist es eben eine Umstellung. „Ich muss mich wieder ins Gegenüber hineinversetzen, meine Bedürfnisse beiseite schieben und Verknüpfungen herstellen – das ist biochemisch anstrengend für den Kopf.“ Kein Wunder, dass wir uns, auch wenn das Treffen schön war, zunächst einmal erschöpft fühlen. 

Einsamkeit ist Risikofaktor

Das Treffen mit Freunden oder der Bummel durch die Einkaufspassage könne eine Reizüberflutung darstellen, sagt der Psychologe. „Je mehr ich mich zurückziehe in die Isolation, desto mehr komme ich zu der Entscheidung, dass eine Verabredung Stress bedeutet.“ Problem: „Es entsteht eine Kettenreaktion.“ Zunächst fühlt es sich gut an, wenn wir dem vermeintlichen Stress aus dem Weg gehen. Doch durch die Isolation können wir uns müde und abgeschlagen fühlen. Ressourcen, um mit dem vermeintlichen Stress umzugehen, können wir kaum entwickeln, wenn wir uns ihm nicht aussetzen. Aus Vermeidung entsteht Einsamkeit – ein Risikofaktor für ernstzunehmende psychische Störungen. 

Jede Person reagiert unterschiedlich

Langfristig gesehen ist es für unsere Gesundheit also wichtig, soziale Interaktionen zu pflegen und Bindungen einzugehen. Bei manchen Menschen brauche es aber zwei, drei Anläufe, um die Motivation fürs „Rausgehen“ zu finden oder wiederzufinden. Das „Anstupsen“ durch Freunde kann durchaus helfen, den Mut dazu zu finden. „Dann ist alles okay. Finden wir die Motivation aber gar nicht mehr, verlieren wir möglicherweise noch mehr Kontakte und kommen in den Bereich des Leidens. Dann müsste schon mit einer sogenannten psychologischen Aktivierung gearbeitet werden“, sagt Göddenhenrich. 

Es gebe verschiedene Möglichkeiten, mit einem unangenehmen Reiz – in diesem Fall wären es andere Menschen – umzugehen. Göddenhenrich spricht sich für einen bedürfnisorientierten Ansatz aus. Es stellt sich also die Frage: Was braucht der Einzelne? Und handelt es sich um eine extro- oder introvertierte Person? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, „würde ein gestuftes und individuelles Vorgehen Sinn ergeben“, sagt der Experte. „Zum Beispiel, dass man sich vielleicht erst einmal nur mit einer Person trifft.“ 

 

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