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Datum:02.06.2021 - Kategorie:Ernährung
Lesedauer:ca. 10 Min.

Was mache ich, wenn mein Kind kein Gemüse essen will?

Im Kita-Alter, aber auch davor und danach sind Kinder sehr wählerisch, was das Essen angeht. Gemüse sortieren sie oft von vorneherein aus. Fitmacher.de-Autorin Anne Neul hat die Ökotrophologin Sonja Fahmy von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gefragt, ob Eltern sich wegen einer eventuellen Mangelernährung Sorgen machen müssen und was sie tun können, damit mehr Gemüse im Magen des Kindes landet.

Frau Fahmy, unser Sohn ist 2 Jahre alt und isst nur wenig Gemüse. Bei Nudeln mit Gemüsesoße pickt er sich nur die Nudeln vom Teller. Ist das auf die Dauer nicht zu einseitig? 

Wenn Sie jeden Tag nur Nudeln mit Gemüsesoße anbieten, dann ist es tatsächlich mit der Zeit zu einseitig. Aber dies entspricht ja nicht der Realität. Es ist völlig normal, dass Kinder phasenweise bestimmte Speisen ablehnen und den Teller als „Forschungsstation“ entdecken. Alles, was grün ist, wird aussortiert. Mit der einseitigen Auswahl steigt bei Eltern oftmals die Sorge, dass das Kind nicht ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zu sich nimmt. Doch solange das Kind sich entsprechend seinem Alter entwickelt, müssen Eltern sich keine Sorgen machen.

Häufig haben Kinder über Wochen die Vorliebe für ein bestimmtes Lebensmittel. Eltern verzweifeln und wissen oftmals nicht, was sie noch anbieten sollen. Aber auch hier rate ich zu Ruhe und Gelassenheit. Die sogenannte „sensorisch-spezifische Sättigung“ führt dazu, dass immer wiederkehrende Geschmackseindrücke sich abschwächen und sich der Blick für andere Lebensmittel öffnet. 

Was können wir als Eltern machen, damit unser Kind auch Gemüse akzeptiert?

Geduld, lautet das Motto. Eltern sollten versuchen, entspannt zu sein und den Esstisch nicht zum Stresstisch machen. Essen ist Genuss und Freude. Daher ist es nicht zielführend, mit Druck oder Zwang den kleinen Verweigerern zu begegnen. Kinder sollten die Möglichkeit haben, aus einem vielfältigen Angebot zu wählen. Die Betonung liegt hierbei auf Angebot und wählen: Sie als Eltern gestalten das Angebot auf dem Tisch, das Kind wählt und entscheidet, was es Essen möchte. Für gewöhnlich findet auch der größte Skeptiker etwas auf einem bunt gedeckten Tisch. 

Und wenn dies nicht der Fall ist? 

Auch hier rate ich zu Geduld und keinem „Ersatzessen“. Vorausgesetzt, das Kind hat wirklich die Auswahl. Ein Auflauf lässt weniger Raum zum Wählen, als ein Gericht, welches aus drei Komponenten wie Kartoffeln, Gemüse und Fleisch besteht. Gut ist es auch immer, einen Teller mit Rohkost anzubieten. Paprika, Gurke, Tomate oder Möhre. Bei dieser bunten Auswahl ist meist ein Favorit dabei. 

Wird etwas nicht akzeptiert, empfehle ich es trotzdem nicht von der Speisekarte zu nehmen. Geschmacksvorlieben entstehen oftmals auch durch Wiederholungen. Man spricht hier von dem „Mere-Exposure-Effekt“. 

Das passt zu dem, was der Kinderarzt und Bestseller-Autor Herbert Renz-Polster empfiehlt: Dass die Eltern dem Kind Gemüse, das es ablehnt oder nicht mag, immer wieder voressen und das Kind immer wieder probieren lassen.

Dies kann ich nur unterstützen. Eltern haben eine wichtige Vorbildrolle. Kinder lernen über das Nachahmen – auch beim Essen. Gleiches gilt auch für das gemeinsame Essen in der Kita. Das pädagogische Personal kann motivierend dazu beitragen, dass Speisen akzeptiert und probiert werden. Oftmals werden, durch die Gruppendynamik in der Kita, Lebensmittel gegessen, die das Kind zu Hause verweigert. Eltern sollten dann nicht verzweifeln. Es liegt nicht an den Kochkünsten, sondern an der Gemeinschaft in der Kita. 

Wie viel Gemüse sollte ein Kind essen?

Gramm für Gramm Gemüse abzuwiegen, ist nicht zielführend. Die Kampagne „5 am Tag“ besagt, täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst sollten dazu gehören. Als Portionsgröße dient die Kinderhand. Ich denke, dies ist eine gute und einfache Orientierung für Eltern.

Solange ich das Kind füttere, habe ich ja mehr Einfluss auf die Speiseauswahl und kann auch mal das Gemüse verstecken. Selbstständiges Essen und Autonomie sind aber wichtig. Wie kann ich trotzdem ohne Zwang darauf einwirken?

Verstecken ist schon ein ganz guter Trick. Möhren püriert in der Suppe oder der Blumenkohl versteckt im Kartoffelpüree. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Aber es ist nicht immer nötig, zu tricksen. Oftmals hilft es auch schon, Gemüse unterschiedlich anzubieten. Mal roh, mal gedünstet mit etwas Feta oder auch als Gemüsepommes. Plötzlich ist der zuvor ungeliebte Kohlrabi der Hit auf dem Familientisch.

Die Kombination von bekannten mit unbekannten Lebensmitteln steigert ebenfalls die Akzeptanz. Dies sind nur einige Möglichkeiten, die Autonomie zu fördern und gleichzeitig ohne Zwang positiv auf die Speiseauswahl einzuwirken. 

Die ersten Lebensjahre sind für die Kinder eine wichtige Prägephase, auch was das Essen angeht. Heißt das, mein Sohn wird sein Leben lang gerne Nudeln bzw. Kohlehydrat-lastig und Gemüse-arm essen, oder gibt sich das wieder?

Die ersten Lebensjahre haben tatsächlich einen großen Einfluss auf das Ernährungsverhalten der späteren Jahre. Aber die Geschmacksvorlieben variieren und verändern sich dennoch weiter. Daher ist es so wichtig, dass Kinder die breite Vielfalt an unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Lebensmitteln von Anfang an kennenlernen.

Ein vielfältiges Angebot zu gestalten, ist aber nicht nur zu Hause wichtig. Auch das Verpflegungsangebot in der Kita spielt eine Rolle. Kinder verbringen täglich mehrere Stunden in der Einrichtung. Diese Zeit ist gleichermaßen prägend. Daher lohnt ein Blick auf das Verpflegungsangebot in der Kita. Wie ein optimales Speiseangebot aussehen sollte, zeigt der „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas“. 

Hilft es, die Kinder in den Essensprozess einzubinden, damit sie sich mehr für Gemüse interessieren? 

Auf jeden Fall. Gut funktioniert, sie im Supermarkt selbst „ihr“ Gemüse aussuchen zu lassen, mit ihnen gemeinsam das Gemüse zu schneiden und sie den Tisch decken zu lassen. Besonders toll ist es, mit den Kindern selbst Gemüse anzubauen, Kräuter auf der Fensterbank zu ziehen oder zur Erntezeit beim Bauern ein Feld zu besuchen.
 

Sonja Fahmy

Von Sonja Fahmy

Sonja Fahmy, Ökotrophologin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, ist Expertin für die Ernährung von Kindern im Kita-Alter.

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