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Datum:02.09.2020 - Kategorie:Familie
Lesedauer:ca. 20 Min.

Zahnwechsel bei Kindern: So kommt ihr gut durch die Wackelzahnpubertät

Der Zahnwechsel bei Kindern ist ein Meilenstein in der Entwicklung. Diese Zeit bringt neben bleibenden Zähnen weitere körperliche Veränderungen mit sich. Nicht selten bedeutet sie eine psychische Berg- und Talfahrt für das Kind, die das Familiensystem belastet. Sie erfahren, was der Zahnwechsel beim Kind mit der Schule zu tun hat und wie Sie ihr Kind geborgen durch diese Zeit begleiten können. 

„Ich will wieder in den Bollerwagen!“ ruft der Fünfjährige und springt in das rappelnde blaue Gefährt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass unser „Naturkind Merlin“ in der letzten Zeit lieber fährt als läuft. Weshalb das so ist, verstanden wir, als uns der Sohn vor ein paar Wochen verkündete, dass er einen Wackelzahn habe.

Der Zwiespalt zwischen „Großwerden und Kleinbleibenwollen“ gehe mit der Zeit des Zahnwechsels einher. Er mache den Kindern zu schaffen, so Autorin und Zahnmedizinerin Renate Kviske. Oft seien ein vermehrtes Ruhebedürfnis und eine schlaffe Körperhaltung die Folge, schreibt Kviske weiter. 

Der erste Milchzahn fällt aus – und jetzt?

Vor einigen Tagen ist nun der erste Milchzahn ausgefallen. Gleichzeitig und unbemerkt schoben sich alle vier Sechsjahres-Molaren, die ersten bleibenden Backenzähne, aus dem Kiefer. Wir haben das nur zufällig mitbekommen, da unser Sohn erklärte, dass da „was komisches los“ sei im Mund.

Zahnwechsel beim Kind – für Klarheit sorgen

Da ich mir unsicher war, ob das, was sich da im Kindermund abspielte, alles seine Richtigkeit hatte, statteten wir der Zahnärztin einen Besuch ab. Das sei in jedem Fall notwendig, wenn sich der Zahnwechsel ankündigt, sagt Dr. Brigitte Oberhuber. Die Zahnärztin erklärte, dass es vollkommen normal sei, dass zuerst die Molaren durchbrechen. Auch sonst hatte sie nichts am Gebiss unseres Sohnes auszusetzen. Wir erfahren, dass die 20 Milchzähne eigentlich nur „Platzhalter“ für die 32 bleibenden Zähne sind. Meistens fallen zuerst die Milchzähne aus, die in der Säuglingszeit als erstes durchgeschossen sind. Wir lernen, dass zweite Zähne hinter Milchzähnen genauso normal sind wie die Zwischenräume, die sich vor dem beginnenden Zahnwechsel zeigen: Der wachsende Kiefer schafft sich Platz. 

Wie genau funktioniert der Zahnwechsel bei Kindern?

Erst wenn ein bleibender Zahn eine Krone gebildet habe, bauen bestimmte Zellen die Wurzeln des Milchzahns ab, erklärt Dr. Oberhuber. So haben wir es auch erlebt. Der Zahn wurde immer lockerer, bis ihn der kräftige Biss in ein Brot zu Fall brachte. Die Zahnärztin erklärt uns, dass der bleibende Zahn viel größer und härter ist als sein Vorgänger und eine viel tiefere Wurzel bildet. Das hat auch Einfluss auf seine Farbe: Er ist wegen seiner mineralischen Zusammensetzung oft ein wenig gelblich. 

Mit wieviel Jahren verliert man Milchzähne?

Ich hatte abgespeichert, dass der Zahnwechsel bei Kindern im siebten Lebensjahr dran sei. Auch wenn das bei den meisten Kindern zutrifft, gibt es nicht selten Ausnahmen. 

Zahnwechsel bei Kindern – die drei Phasen

Mir war nicht bewusst, dass der Zahnwechsel Pausen einlegt und sich über mehrere Jahre hinzieht. Logisch – der Kiefer wächst langsam und macht auch nur langsam Platz für bleibende Zähne: 

  • 1.    Phase: Die ersten großen Backenzähne (Sechsjahresmolaren) brechen zumeist im 1. oder 2. Grundschuljahr durch. Gleichzeitig vollzieht sich der Wechsel der Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer. Die bleibenden Backenzähne kommen oft unbemerkt hinter den Milchbackenzähnen zum Vorschein. 
  • 2.    Phase: Im Alter von circa neun bis zwölf Jahren wechseln die kleinen Eck- und Backenzähne und die zweiten großen Backenzähne brechen durch.
  • 3.    Phase: Wenn Weisheitszähne im Kiefer angelegt sind, brechen diese zwischen dem 16. und 24. Lebensjahr durch.

Den ersten Milchzahn verlieren – ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Nachdem wir mit der Zahnärztin gesprochen hatten, kam Licht ins Dunkel. Und mir war klar: Uns steht eine neue Zeit ins Haus. 

Mama, ich erkenne mich gar nicht wieder! Ich sehe überhaupt nicht mehr aus wie ich! (Merlin, 5 Jahre)

Sensibilisiert und informiert, fielen uns einige Neuerungen in Verhalten und Erscheinung unseres Kindes auf. Merlin war schon immer an Buchstaben und Zahlen interessiert. Neuerdings fordert er abends wenigstens eine halbe Stunde Zeit ein, um in aller Ruhe an seinem Schreibtisch zu malen, Briefe zu schreiben und zu basteln. Er will unbedingt schwimmen lernen und isst so viel, dass wir unser Lebensmittelbudget um einiges erhöhen mussten. Innerhalb eines Monats hat er eine Schuhgröße übersprungen und gerade habe ich bei ihm eine kleine Taille entdeckt. Er erscheint uns streitlustiger und zunehmend unsere Autorität auf den Prüfstand stellend. 

Unverträglichkeiten mit Spielkameraden und eine Neigung zu Streitsüchtigkeit sind Merkmale dieses Gestaltwandels. Zwischenmenschliche Spannungen sind also für diese Lebensphase charakteristisch. (Renate Kviske)

Kurz bevor der erste Milchzahn ins Wackeln geriet, entwickelte Merlin eine “Dieb-Angst“. Plötzlich wollte er unter keinen Umständen mehr im Erdgeschoss übernachten oder ohne Hund vor dem Laden warten. Auch wenn sich solche Ängste auf verschiedene Weise erklären lassen – sie fallen nicht zufällig in die Zeit des Zahnwechsels. Es sei eine Krisenzeit, in der sich Kinder stark verändern, schreibt die Zahnmedizinerin und Autorin Renate Kviske. Sie würden um den Zahnwechsel herum oft unsicher und unruhig und schliefen schlechter. Das stünde mit dem physischen wie psychischen Umbau in Verbindung und koste Kraft, so Kviske weiter. 

Wie bildet sich das bleibende Gebiss?

Es hat mich überrascht, dass die bleibenden Zähne bereits im Mutterleib angelegt werden, wie Kviske schreibt. Mit der Zeit mineralisieren sie und lösen später die Milchzähne ab. Wie froh bin ich heute, dass ich mich während der Schwangerschaft gesund ernährt habe! Fehlernährung bei Mutter und Kind können irreversible Schäden verursachen – auch am kindlichen Gebiss.

Körperliche Probleme während des Zahnwechsels bei Kindern

In der Regel verlaufe der Zahnwechsel problemlos, erklärt Patrick Heitkemper, Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen, gegenüber dem WDR. Es komme jedoch vor, dass der bleibende Zahn durchbreche, noch bevor der Milchzahn ausgefallen ist. Manchmal müsse er gezogen werden, um eine spätere Fehlstellung zu vermeiden.

Wichtig sei auch zu wissen, dass ein zu früher Verlust von Milchzähnen durch Karies zu Platzmangel für den bleibenden Zahn führen kann. Dann sei der Besuch beim Zahnarzt unerlässlich, so Heitkemper weiter. Das gilt übrigens auch für den späten Zahnwechsel. Durch Röntgenaufnahmen lässt sich klären, ob die bleibenden Zähne überhaupt im Kiefer angelegt und ob die Wurzeln der Milchzähne noch vorhanden sind. 

Zahnstellung: Dream-Team Zunge und Lippen

Wer bewusst in den Mund eines Vorschulkindes schaut, mag sich wundern über die Anarchie im Kindermund. Da wachsen Schneidezähne schief und krumm in Richtung Mundhöhle, der Nachbar richtet seinen Blick eher nach Osten und zwischen die einzelnen Zähne passt locker eine kleine Karotte. Dass sich aus einem solchen Desaster einmal fast makellose Zahnreihen bilden können, ist kaum vorstellbar. Offensichtlich sorgen das Zusammenspiel von Zunge und Lippen dafür, dass sich die Zähne aufrichten und ordentlich neben einander stellen – wie die Wachen des „Buckingham Pallace“. Ist das nicht der Fall, wird ein Zahnarzt-Termin fällig. 

Zahnwechsel bei Kindern und die Schulfähigkeit

Der Zahnwechsel bei Kindern scheint nicht zufällig mit dem Schulstart zusammenzufallen. Für uns ist das ein heikles Thema. Merlin hat mit seinen fünf Jahren Schulfähigkeit attestiert bekommen. Würde er dieses Jahr eingeschult, wäre der Tag der Einschulung sein sechsten Geburtstag. Wir haben uns dagegen entschieden, da wir keinen Platz in der Schule unserer Wahl bekommen haben. Dass die Einschätzungen der Betreuerinnen seines Kindergartens, die der Schulärztin und unser Gefühl stimmig waren, bestätigt sich für uns nun im frühen Beginn des Zahnwechsels mit fünf Jahren. Renate Kvsike schreibt, dass Kinder bis zum Zahnwechsel die Grundvoraussetzungen für schulisches Lernen erwerben. Allerdings stünden ihnen diese Fähigkeiten noch nicht vollumfänglich zur Verfügung. Ich kann diese Sicht bestätigen. 

„Der dicke Jumbo-Jet ist gelandet!“ Damit endete heute der letzte Witz am Küchentisch. Wir ernähren uns derzeit nämlich hauptsächlich von Kinderwitzen. Seit Tagen kredenzt uns der Sohn neue Satire, Direktimporte aus dem Kindergarten. Diese Art von Humor ist neu, finden wir. Wenn ich es nicht besser wüsste aus meinen Pädagogikbüchern, würde ich seinen Humor schon als feine Ironie bezeichnen. 

Zahnfee, Zahnmaus und anderer Zauber

Wir waren uns unsicher, ob wir Weihnachtsmann, Osterhasen und Nikolaus auch noch eine „Zahnfee“ zur Seite stellen wollen. Viel Zeit hatten wir nicht, uns darüber Gedanken zu machen. Merlin nahm uns die Entscheidung ab, als er sich stimmgewaltig bei der Zahnfee für eine Armbanduhr einsetzte. Also gut. Er ist noch bereit, an die Zahnfee zu glauben. Was für ein passendes Bild! Der Wunsch nach einer Uhr symbolisiert für mich das heranwachsende Kind, dessen Intellekt sich entfaltet. Und die Zahnfee steht für den kleinen Jungen, der bis heute Schutz sucht in Mamas und Papas Armen. 

Zahnwechsel für Kinder erklärt

Wir sind eine ziemlich kommunikative Familie. Bei uns geht es viel darum, die Bedürfnisse hinter unseren Wünschen zu erkennen und hinter die Fassaden zu schauen. So haben wir uns auch mit Merlin viel über den Grund des Zahnwechsels unterhalten. Warum gibt es Zahnwechsel überhaupt? Wie fühlen wir uns alle mit der neuen Situation? Da diese Prozesse bei uns kontinuierlich ablaufen, brauchten wir keine besonderen Strategien. Wir haben Merlin eine kleine Glasdose für seine Zähne geschenkt, lesen ein Buch über die Wackelzahnzeit und schauen gemeinsam Videos zum Thema. Da wir eine Musikfamilie sind, habe ich Merlin ein kleines Lied über den Zahnwechsel geschrieben. Allerdings: niemand muss dichten oder komponieren können, um das Kind gut durch diese Zeit zu bringen. Es hilft, kindgerecht über das zu sprechen, was ist – ohne dabei „innere Bilder der Angst zu erzeugen“, wie es die Heilpraktikerin und Autorin Saskia John sagt.  

Gute Zahnhygiene von Anfang an

Seit der erste Zahn durchgebrochen ist, klappt es noch besser mit dem Zähneputzen. Merlin ist stolz auf seine neuen Zähne und möchte, dass sie gesund bleiben. Wir achten auch darauf, nach dem Essen eine halbe Stunde Zeit vergehen zu lassen, bis wir Zähneputzen. Nur so greifen vor allem saure Speisen den noch im Aufbau befindlichen Schmelz des Kinderzahnes nicht an. Das gilt übrigens auch für die Zähne von Erwachsenen.

Wie Zahnwechsel bei Kindern gut begleitet werden kann

  • Viel Bewegung zum Ausgleich und Muskelaufbau (kann sogar die Zahnstellung positiv beeinflussen!)
  • Kreative Angebote wie Malen, Singen, Tanzen, Basteln
  • Märchen und Fantasiereisen
  • Vollwertige Nahrung, die zum Kauen anregt
  • Gemeinsame Zeit und Gespräche
  • Vereinssport / Gruppensport – Kinder möchten sich nun messen
  • Aufmerksam sein in Bezug auf neu erwachende Interessen
  • Zeit für Ruhepausen einplanen
  • Struktur geben / gemeinsam Rituale entwickeln
  • Wut und Ärger liebevoll begleiten

Die Zahnmedizinerin und Autorin Renate Kviske beschreibt die Zeit des Zahnwechsels als Krisenzeit, in der sich Kinder seelisch und körperlich stark verändern. So etwas koste Kraft, so Kviske und es sei die Aufgabe von Eltern und Pädagogen, Kinder entsprechend zu begleiten. 

Zahnwechsel bei Kindern – Am Ende des Tunnels

„Ich will sofort den Schatz suchen!“ sagt Merlin und springt mit einem Satz aus dem blauen Bollerwagen, der nun vor einer Kapelle am Waldrand steht. Vor einem Monat hätte der nicht mehr ganz so kleine Junge so einen Sprung noch nicht geschafft. Flink läuft er hinter Papa her und beginnt zu suchen. Unter Blättern, in Ästen und Löchern im Waldboden. „Da ist was!“ ruft er und zieht stolz seinen ersten GEO-Cache aus einem Baumstumpf. Wackelzähne, Lustlosigkeit und Wut waren gestern. Neugier und Forscherdrang sind heute. 
 

Tanja Conrad

Tanja Conrad ist Mutter, Pädagogin, Musikerin, Journalistin und Gründerin des Blog-Magazins "NoRisk. NoMum.". Sie schreibt über bewusste Elternschaft, Gesundheit, Reisen und Green Living.

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