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Datum:04.07.2022 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 12 Min.

Hämorrhoiden: Was die Ursachen sind und wann operiert werden sollte

Sie brennen. Sie jucken. Sie fühlen sich wie Fremdkörper an und verursachen teilweise starke Schmerzen: Hämorrhoiden sind vielen Menschen peinlich – obwohl durchschnittlich jeder zweite Erwachsene im Laufe seines Lebens Bekanntschaft mit ihnen macht. Proktologe PD Dr. Dietmar Jacob erklärt, wie ein Hämorrhoidalleiden entsteht und eine Behandlung aussehen kann.

Warum hat der Mensch Hämorrhoiden?

„Hämorrhoiden sind ein Teil unseres Körpers und gehören zum Enddarm wie die Finger zur Hand“, beschreibt PD Dr. Dietmar Jacob. Sie sind keine Krankheit, denn anatomisch gesehen stellen Hämorrhoiden blutgefüllte Schwellkörper dar, die sich direkt unter der Schleimhaut des unteren Enddarms befinden.

Ihre Hauptaufgabe: den schleimbildenden Enddarm (auch Mastdarm genannt) gegenüber dem trockenen Analkanal abzudichten. Durch Bluteinströmung können sie an- und wieder abschwellen. Diese Feinschlussfunktion der Schwellkörper macht etwa 15 Prozent unseres Verschlussmechanismus aus – und ist daher sehr nützlich für unsere Kontinenz, die Körperausscheidungen zurückzuhält.

Was passiert, wenn man an einem Hämorrhoidalleiden erkrankt?

Millionen von Menschen klagen allerdings über Beschwerden an ihren Hämorrhoiden. Wie kommt es dazu? Wenn sich das Bindegewebe überdehnt, kann es zu vergrößerten Hämorrhoiden kommen, die sich aus ihrer Verankerung an der Enddarm-Wand lösen und in den Analkanal vorstülpen. Dadurch beeinträchtigen sie den Verschlussmechanismus und es dringt Sekret nach außen an die Haut. Die Folgen: Nässen, Brennen und ein starkes Jucken. Auch Blutungen können als Symptom auftreten. „In solchen Fällen sprechen wir von Hämorrhoidalleiden als Krankheitsbild. Am häufigsten betroffen sind Männer und Frauen im Alter zwischen 45 und 65 Jahren“, sagt der Proktologe.

Was sind die Ursachen?

Es gibt unterschiedliche Ursachen, die ein Hämorrhoidalleiden beziehungsweise vergrößerte Schwellkörper im Analkanal hervorrufen können:

  • Starkes Pressen und Nachpressen beim Stuhlgang
  • akute oder chronische Verstopfung
  • körperliche Anstrengung oder Krafttraining
  • erhöhter Alkoholkonsum und scharfe Ernährung
  • Bewegungsarmut
  • ballaststoffarme Ernährung
  • Übergewicht
  • Durchfall
  • Schwangerschaft

Das Hämorrhoidalleiden wird – abhängig von der Größe der Gefäßknoten – in vier Grade nach dem ICD-Code (International anerkanntes System für eine einheitliche Benennung von Diagnosen) eingeteilt, wobei die Angaben und Symptome des Patienten für eine korrekte Einteilung wichtig sind.

Vier Stadien von Hämorrhoidalleiden

Grad 1: Die vergrößerten, inneren Hämorrhoiden sind von außen nicht zu sehen oder zu ertasten. Zur Diagnose wird ein kleines Gerät in den After eingeführt (Proktoskop).

Grad 2: Beim Pressen können die Schwellkörper zweiten Grades kurzzeitig aus dem Analkanal hervortreten, ziehen sich jedoch wieder zurück. Der Patient kann sie fühlen und tasten.

Grad 3: Die Schwellkörper treten beim Pressen aus dem After aus und müssen mit dem Finger zurückgeschoben werden.

Grad 4: Die äußeren Hämorrhoiden treten dauerhaft aus dem Analkanal hervor und können nicht mehr zurückgeschoben werden.

Da es sich bei vergrößerten Hämorrhoiden um eine gutartige Erkrankung handelt, müssen sie im Anfangsstadium nicht zwingend behandelt werden. „Allerdings nehmen die Beschwerden in der Regel zu und Symptome wie Juckreiz oder Blutungen sind für viele Patienten besonders lästig“, sagt PD Dr. Dietmar Jacob. Ohne eine Behandlung oder die Veränderung eigener Verhaltensweisen werden die Schwellkörper immer größer.

Welche Hausmittel können helfen?

Starkes Pressen – häufig ausgelöst durch Verstopfung – beim Stuhlgang führt zu Problemen, wenn wir unter vergrößerten Hämorrhoiden leiden. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann bereits helfen, Darmträgheit, Blutungen und gleichzeitig Hämorrhoidalleiden vorzubeugen. Wie das funktioniert? Ballaststoffe binden Wasser, sodass der Stuhl im Darm weicher wird, das Stuhlvolumen sich erhöht und sie somit die Verdauung in Schwung bringen.

Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse sowie Obst gehören zu den empfohlenen Lebensmitteln, aber auch Sauerkraut und eingeweichte Trockenfrüchte können hilfreich sein. Ein zusätzliches Hämorrhoiden-Hausmittel mit vielen Ballaststoffen sind Weizenkleie, Leinsamen oder Indische Flohsamen. In Kombination mit einem Glas Wasser gewährleisten sie, dass Quellstoffe im Darm gut aufquellen können.

Schnelle Hilfe leisten Sitzbäder mit entzündungshemmenden Gerbstoffen – dazu zählt Eichenrinde. Sie stoppen das Fortschreiten der Entzündung am After und lindern Symptome wie Juckreiz sowie Schmerzen.

Ab wann sollten wir Hämorrhoiden operieren lassen?

Wenn Hausmittel oder die Veränderung der eigenen Verhaltensweisen nicht ausreichen, wird die Hilfe eines Proktologen benötigt. Nach einem ausführlichen Gespräch untersucht er den After- und Enddarmbereich und kann eine Diagnose zur Behandlung stellen. Symptomatische Hämorrhoiden Grad 1 und 2 können ohne operative Eingriffe mit einer Gummibandligatur oder Sklerosierungstherapie (Verödung) behandelt werden. 

Wichtig ist, sich danach ballaststoffreich zu ernähren und viel zu trinken, damit die Hämorrhoiden-Beschwerden nicht wieder auftreten. Beim Hämorrhoidalleiden 3. und 4. Grades – das betrifft rund zehn Prozent aller Patienten mit Hämorrhoidalleiden – besteht die Notwendigkeit einer Operation, zum Beispiel:

  • Milligan-Morgan: Die am häufigsten durchgeführte Hämorrhoiden-OP ist das Verfahren nach Milligan-Morgan, auch benannt als offene Hämorrhoidektomie. Dabei schneiden Ärzte das Hämorrhoidenpolster heraus und lassen die Wunde primär offen.
  • HAL-RAR: Eine besonders schmerzarme Behandlung ist die HAL-RAR-Operation (HAL = Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur, RAR = Recto Anal Repair). Sie beschreibt einen minimal-invasiven Eingriff.
  • Stapler-Hämorrhoidopexie:  Bei diesem Verfahren werden Hämorrhoidenknoten gerafft und durch eine größere Schleimhautmanschette mit dem Klammernahtgerät abgetragene. Dadurch befinden sich die Schwellkörper wieder an ihrer ursprünglichen Position.

Wie können wir ein Hämorrhoidalleiden vorbeugen?

Um Operationen aus dem Weg zu gehen, können wir Hämorrhoidalleiden vorbeugen. Eine gute Basis dafür stellt ein geregelter Stuhlgang dar, den man mithilfe einer ballaststoffreichen Ernährung erreicht. Eine ausreichende Trinkmenge mit zwei Litern Tee oder Wasser am Tag lassen die Ballaststoffe quellen, was den Stuhl weicher macht.

„Es ist außerdem wichtig, sich regelmäßig mit Ausdauersport zu bewegen, damit der Darm nicht zu träge wird“, rät PD Dr. Dietmar Jacob. Die Toilettensitzungen sollten nicht länger als drei bis fünf Minuten dauern, währenddessen sollte zudem nicht stark gepresst werden. Die abschließende Hygiene besteht im besten Fall nur aus klarem Wasser und weichem Toilettenpapier, um die Haut am After nicht auszutrocknen und zu reizen. Bei starkem Juckreiz hilft es, zur Behandlung den Bereich mit einer fetthaltigen Creme aus der Apotheke einzucremen.

Mythen und Wahrheiten über Hämorrhoiden

Mythos 1: Hämorrhoidalleiden entsteht durch mangelnde Hygiene

Diese Annahme ist falsch. Vergrößerte Hämorrhoiden treten nicht aufgrund von Unsauberkeit auf, vielmehr zählen falsche Ernährung, Verstopfung, Bewegungsmangel oder auch eine Schwangerschaft zu den möglichen Ursachen.

Mythos 2: Abführmittel beugen vor

Ja, sie können ein Resultat von Verstopfung und einhergehendem Pressen beim Stuhlgang sein. Allerdings führt ein zu flüssiger Stuhl dazu, das Abschwellen der Schwellkörper zu stören. Durchfallstuhl reizt darüber hinaus den After und kann zu unangenehmen Analekzemen führen.

Mythos 3: Vergrößerte Schwellkörper kommen vom Sitzen auf kaltem Untergrund

Kälte hat keinen Einfluss darauf, Schwellkörper zu vergrößern. Dennoch kann sie zu einer Verstopfung der feinen Analrandvenen führen. Das bedeutet: Am After bilden sich bläuliche Knoten, die einen starken Druckschmerz auslösen.

Mythos 4: Wenn es brennt, juckt oder schmerzt sind es garantiert vergrößerte Hämorrhoiden

Das ist nicht immer der Fall. Wenn es blutet und schmerzt beim Stuhlgang, kann auch ein Einriss in der Analhaut beziehungsweise eine Analfissur vorliegen. Ebenfalls kann ein sogenanntes Analekzem für Symptome wie Juckreiz sorgen.

PD Dr. med. Dietmar Jacob, MBA

Von PD Dr. med. Dietmar Jacob, MBA

PD Dr. med. Dietmar Jacob, MBA: Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Spezielle Viszeralchirurgie, Leiter der Proktologie im Chirurgisch-Orthopädischen Praxisverbund (COPV) Berlin.

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