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Datum:09.09.2020 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 20 Min.

Humane Papillomviren – die unsichtbare Gefahr

Humane Papillomviren (HPV) – 90 Prozent aller Menschen, die Sex haben, infizieren sich mit ihnen. Meistens verläuft die Infektion unbemerkt und klingt ohne Symptome ab. Bei einigen Frauen und Männern wuchert die Haut im Intimbereich oder es entwickelt sich Krebs. Bei Frauen kann Gebärmutterhalskrebs auftreten. Wie Sie das Risiko minimieren, erfahren Sie im Artikel.

Es fühlte sich an wie eine Ohrfeige, als mir die Hautärztin sagte: „Sie haben eine Geschlechtskrankheit.“ Geschlechtskrankheit – das klang so anrüchig. Ich hatte ein kleines Knötchen im Intimbereich, welches ich ihr gezeigt hatte. Es war einen Millimeter groß.

Wie bekommt man Humane Papillomviren?

Bis dahin hatte ich noch nicht von Humanen Papillomviren (HPV) gehört. Männer wie Frauen bekommen sie beim Sex, wenn Penis oder Vagina die mit Viren befallene Haut oder Schleimhaut des anderen berühren. Die Krankheitserreger dringen in die Haut ein, vermutlich durch kleine Risse oder Verletzungen. Sie vermehren sich im Inneren der Zellen. Da die meisten nicht merken, dass sie infiziert sind, stecken sie andere an, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Möglich sei theoretisch auch eine Schmierinfektion über die Hände, sagt Prof. Dr. Werner Mendling, Leiter des Deutschen Zentrums für Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe in Wuppertal. Wenn jemand den Finger in die Scheide stecke und dann in den Mund, habe er die Viren auch dort. Das sei unwahrscheinlich, aber möglich. Auf einer Toilette fange sich eine Frau den Virus nicht ein. „Das passiert, wenn Sie auf der Brille herumrutschen. Das macht keiner.“

Humane Papillomviren – erhöhtes Risiko für Frauen

Für Frauen ist das Risiko, sich mit HPV zu infizieren, laut Robert-Koch-Institut (RKI) höher als für Männer, weil die Viren sich gerne in der Grenzzone zwischen Gebärmutterhals und Muttermund ansiedeln. Das Risiko einer Infektion steigt mit der Zahl der Sexualpartner. Drei von vier Frauen stecken sich im Laufe ihres Lebens mit dem Humanen Papillom-Virus an. Damit ist die HPV-Infektion die häufigste sexuell übertragbare Infektion.

Mit HPV infiziert zu sein, ist kein Makel und meist unvermeidbar. (Prof. Dr. med. Werner Mendling)

Ich war Mitte zwanzig, als ich mich infizierte. Bei wem, weiß ich nicht. Als das erste Knötchen auftauchte, lebte ich seit etwa einem Jahr mit meinem damaligen Partner zusammen. Er entwickelte zum Glück keine Symptome. 30 Prozent der 20- bis 30-Jährigen hätten HPV, sagt Mendling. Laut RKI sind es unter den 20- bis 25-jährigen Frauen sogar 35 Prozent (2011). In mehr als 90 Prozent der Fälle verschwänden die Viren innerhalb eines Jahres von selbst, sagt Mendling. Bei einem schwachen Immunsystem kann die Infektion mit HPV über einen längeren Zeitraum andauern. Bisher ist es nicht möglich, die HP-Viren direkt zu bekämpfen.

Humane Papillomviren Warzen

Dieses Knötchen, das sich bei mir im Intimbereich gebildet hatte, war eine Feig- oder Genitalwarze, Kondylom genannt. Ihr folgten weitere. Die Hautärztin entfernte sie mehrmals unter örtlicher Betäubung. Das bedeutete jedes Mal mehrere Spritzen in den Intimbereich – eine Tortur.

In der Schwangerschaft verdoppelt sich das Risiko

Kondylome entwickeln sich laut Robert-Koch-Institut bei 1 bis 2 Prozent der Erwachsenen, die Sex haben, zwischen dem 15. und dem 49. Lebensjahr. Wenn sich Mann oder Frau mit HPV anstecken, dauert es vier Wochen bis acht Monate, bis erste Warzen auftreten. Sie bilden sich an den Schamlippen, am Scheideneingang, in der Scheide, am Gebärmutterhals, an der Eichel oder der Vorhaut. Bei Männern und Frauen kommen sie am Anus, im Analkanal sowie in der Harnröhre vor.

In der Schwangerschaft verdoppele sich das Risiko, ein Kondylom zu entwickeln, sagt Mendling. In dieser Zeit fahre das Immunsystem der Frau herunter, damit es den Fötus nicht abstößt. Nach der Geburt und auch außerhalb einer Schwangerschaft verschwänden die Kondylome in vielen Fällen von allein. Meist warteten die Betroffenen das nicht ab, weil die Warzen unästhetisch seien.

Nach OP Krater in der Haut

Weil sich bei mir innen Kondylome gebildet hatten, überwies mich die Hautärztin in ein Krankenhaus. Dort wurden mir die Kondylome unter Vollnarkose per Laser entfernt. Hinterher sah es aus, als habe jemand Zigaretten in meinem Intimbereich ausgedrückt. Sitzbäder mit Jodlösung halfen der Haut zu heilen. Auch dieser Prozedur unterzog ich mich ein zweites Mal. Wieder unter Vollnarkose, wieder Krater in der Haut, Sitzbäder.

Impfung Humane Papillomviren

Die Kondylome blieben aus, nachdem ich mich gegen HPV habe impfen lassen. Mein Frauenarzt hatte mir das empfohlen, auch wenn ich schon erwachsen war. Kondylome blieben damit eher aus, sagte er. Das bestätigt Prof. Mendling: Zwar wirke die Impfung nicht gegen schon bestehende Infektionen. Sei jemand mit einem Virustyp infiziert, schütze ihn oder sie die Impfung in Zukunft vor etwa 15 Virustypen.

Seit etwa 10 Jahren würden deshalb Frauen noch geimpft, denen eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs entfernt wurde. Die Impfung senke bei Erwachsenen das Rückfall-Risiko um 70 Prozent. Es sei unwahrscheinlich, dann noch Kondylome zu entwickeln.

Versicherte ab 18 Jahren erhalten von der Heimat Krankenkasse für die Impfungen im Rahmen des jährlichen Imfbudgets einen Zuschuss von bis zu 300 Euro pro Kalenderjahr (Stand 2020). 

Humane Papillomviren – mehr als 200 Virustypen

Laut Robert-Koch-Institut gibt es mehr als 200 HP-Virustypen. Sie teilen sich in Low-Risk- und High-Risk-Viren. Die Low-Risk-Viren verursachen die Kondylome (Feig- oder Genitalwarzen). Die High-Risk-Viren können Gebärmutterhalskrebs hervorrufen. Seltener sind Tumore in der Scheide, an den Schamlippen, im Rachen, am Penis oder am Anus. Auch die High-Risk-Viren verschwinden überwiegend von selbst innerhalb von ein bis zwei Jahren. Weniger als 1 Prozent der mit HPV infizierten Frauen entwickelten nach Jahren Gebärmutterhalskrebs, sagt Mendling.

Gebärmutterhalskrebs – Rauchen ist der größte zusätzliche Risikofaktor

Mendling rechnet vor: Von 1.000 Frauen, die mit dem HP-Virus infiziert sind, haben ihn ein Jahr später noch 100. Von diesen erkranken im Laufe der nächsten 7 bis 30 Jahre 10 bis 30 an einer Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. Die Entwicklung des Krebses dauert 7 bis 15, teilweise bis zu 30 Jahre. Der wichtigste zusätzliche Risikofaktor, der Gebärmutterhalskrebs begünstige, sei das Rauchen, sagt Mendling. Nikotin schädige alle Zellen. Es sei ein Gift, das sich im Gebärmutterhalskanal anreichere und dort Schaden anrichte.

Gebärmutterhalskrebs Vorstufe

Die Viren müssten 7 bis 15 Jahre an der Schleimhaut verbleiben, um nachweisbare Zellveränderungen herbeizuführen. Diese könne der Gynäkologe z. B. durch regelmäßige und richtig durchgeführte Vorsorgeuntersuchungen (Pap-Test nach Papanicolaou und HPV-Test) erkennen. Der Gebärmutterhalskrebs durchläuft Vorstufen. Selbst diese verschwinden unbehandelt in einem Drittel der Fälle nach einigen Jahren von allein.

Verändertes Gewebe wird kegelförmig herausgeschnitten

Das veränderte Gewebe der Vorstufe entfernt der Chirurg oder Gynäkologe durch eine Konisation mittels Laser, Skalpell oder elektrischer Schlinge. Er schneidet ein kegelförmiges Gewebestück mit der Veränderung aus dem Muttermund. Man verwende heute nach Möglichkeit die elektrische Schlinge, weil die weniger traumatisch für das Gewebe sei, sagt Mendling.

Spritzen in den Muttermund

Ich hatte mich sowohl mit Low-Risk- als auch mit High-Risk-Viren infiziert. Das sei nicht ungewöhnlich, sagt Mendling. Etwa fünf Jahre nach den Kondylomen zeigte ein Pap-Test bei meiner Frauenärztin verändertes Gewebe am Muttermund. Durch eine Konisation wurde es ambulant im Krankenhaus entfernt. Unangenehm waren die beiden Spritzen, die mir der Arzt für die örtliche Betäubung in den Muttermund gab. Auch das Lasern des etwa ein Euro großen Gewebestückes war unangenehm.

Nobelpreis für Medizin für HPV-Forscher

Dass Humane Papillom-Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen, ist eine noch relativ junge Erkenntnis. Prof. Harald zur Hausen, Virologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, erhielt 2008 für diese Erkenntnis den Nobelpreis für Medizin. Zuvor hatte er mit seinem Team einen Impfstoff gegen diese Viren entwickelt, die eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen auslösen. Seit 2006 werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Deutschland und weltweit geimpft.

Wie kann ich mich vor HPV schützen?

Die Impfung biete einen guten Schutz, sagt Mendling. Da HP-Viren so weit verbreitet sind, können sich Mädchen und Jungen bereits beim ersten Sex damit infizieren. Garantiert vor HPV geschützt sind nur die, die enthaltsam leben und auf jeglichen Sex verzichten. Kondome schützten weitgehend, aber nicht sicher vor einer HPV-Infektion. Sie bedecken nur einen Teil des Intimbereichs. Sei der Mann beschnitten, habe er ein geringeres Risiko, sich mit HPV anzustecken oder die Frau zu infizieren. Beschnittene Männer hätten signifikant weniger Bakterien und Viren am Penis, da die Vorhautfalte diese unter sich festhält.

Warum HPV-Impfung für Jungen?

In Deutschland seien aufgrund verschiedenster Vorbehalte, Ängste oder Fehlinformationen nur 35 bis 40 Prozent der Mädchen geimpft. Laut NDR ist in Deutschland knapp die Hälfte der 17-jährigen Mädchen geimpft, bei den Jungen jeder fünfte. Auch für Jungen sei die Impfung sinnvoll, sagt Mendling. Sie übertragen die HP-Viren ebenso wie Mädchen und können wie sie durch Humane Papillomviren an Krebs erkranken. In Dänemark, Holland und Neuseeland würden die Mädchen und Jungen in der Schule geimpft. In Dänemark liege die Impfrate bei den Mädchen bei über 80 Prozent. In Neuseeland und Australien sei die Impfung seit mehr als zehn Jahren Teil des Schulprogramms. Da gebe es keine Warzen mehr bei den Jugendlichen. Jedes Kind und alle Jugendlichen sollten auch in Deutschland geimpft werden, empfiehlt Mendling.

Humane Papillomviren – frühe Impfung empfohlen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren gegen HPV impfen zu lassen. Sonst spätestens bis zum 18. Lebensjahr. Erhielten Kinder die Impfung im Alter von 9 bis 14 Jahren, sagt Mendling, reichten 2 Impfungen. In dem Alter sei das Immunsystem hochreaktiv. Über 14 Jahre seien drei Impfungen nötig. Er empfiehlt deshalb, so früh wie möglich zu impfen. Das Immunsystem einer 30-Jährigen sei deutlich schwächer und die Impfung nicht mehr so erfolgreich wie bei einer 15-Jährigen.

Die Heimat Krankenkasse erstattet die Kosten der HPV-Impfung für Mädchen und Jungen bis einen Tag vor dem 18. Geburtstag in voller Höhe (Impfstoff und ärztliche Leistung; Stand 2020).

Ist die HPV-Impfung sinnvoll?

In Deutschland sind zwei Impfstoffe erhältlich, Cervarix und Gardasil 9. Der Cervarix-Impfstoff wirkt gegen zwei High-Risk-Viren, Gardasil gegen neun HPV-Stämme. Darunter Low-Risk-Viren und besonders riskante HP-Viren. Die Gardasil-Impfung schützt vor Kondylomen und kreuz-immunisiere gegen weitere Virustypen, sagt Mendling. Damit decke sie mindestens 15 Virustypen ab. Das seien über 90 Prozent der Viren, die Krebs auslösen können.

Es müssten heute nicht mehr jedes Jahr in Deutschland 1.700 Frauen an Gebärmutterhalskrebs sterben. Das könnte verhindert werden, wenn sich alle impfen lassen würden. (Prof. Dr. Werner Mendling)

Dass es Bedenkenträger gibt, die sich gegen die Impfung aussprechen, kann Prof. Mendling nicht nachvollziehen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 6.200 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1.700 sterben daran. „Das müsste heute nicht mehr passieren. Es könnte verhindert werden, wenn alle geimpft würden.“

Humane Papillomviren – 56.000 Konisationen pro Jahr

Noch mehr Frauen seien von den Konisationen betroffen. Laut RKI sind es in Deutschland pro Jahr 56.000. Diese Frauen hätten neben der unangenehmen Operation ein signifikant höheres Frühgeburtsrisiko. Durch die Konisation werde der Muttermund verkürzt und dadurch eventuell der Halteapparat der Gebärmutter beschädigt. Das Risiko hänge davon ab, wie viel der Arzt wegschneide. Schneide er ganz flach, sei das folgenlos für spätere Schwangerschaften. Müsse er einen größeren Kegel entfernen, bedeute das ein erhebliches Risiko für eine Frühgeburt. Das gelte für alle weiteren Schwangerschaften. Neben dem Krebs gebe es damit auch schon durch die Vorstadien viele Probleme. Unter Umständen bekomme eine Frau nach der Konisation durch eine Frühgeburt ein behindertes Kind.

Humane Papillomviren – schwanger 10 Jahre nach Konisation

Ich hatte Glück und erlebte knapp zehn Jahre nach meiner Konisation eine komplikationslose Schwangerschaft. Im August 2019 brachte ich einen gesunden Sohn zur Welt. Er kam vier Tage nach dem errechneten Termin, keine Spur von einer Frühgeburt. In anderen Fällen musste die Frau nach einer Konisation in der Schwangerschaft viel liegen, um das Risiko einer Frühgeburt zu verringern.

Humane Papillomviren – Fazit

Viren, die beim Sex übertragen werden, sind immer noch ein Tabuthema. Da 9 von 10 Frauen und Männern, die Sex haben, sich mit HPV anstecken, ist es Zeit, mehr darüber zu reden. Ich war 27 Jahre alt, als die Impfung auf den Markt kam. Ich wäre froh, wenn ich als Jugendliche geimpft worden wäre. Dann wären mir die unangenehmen und schmerzhaften Behandlungen sehr wahrscheinlich erspart geblieben.
 

Anne Neul

Anne Neul ist Mutter, freiberufliche Journalistin, Coach und Mitinhaberin von "No Risk. No Mum.", dem Blog-Magazin für bewusste Eltern. Ihre Themenschwerpunkte sind Schwangerschaft & Geburt, Familie, Green Parenting und Persönliche Entwicklung. 

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