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Datum:22.06.2020 - Kategorie:Im Fokus
Lesedauer:ca. 12 Min.

„Mama, mein Kopf tut weh“ – Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Bohrend, stechend, schmerzend – Kopfweh kennt fast jeder. Aber nicht nur Erwachsene leiden an Kopfschmerzen, sondern auch viele Kinder und Jugendliche haben schon in jungen Jahren mit Beschwerden zu kämpfen. Wir haben mit Karin Frisch vom Zentrum für Forschung und Diagnostik bei Implantaten, Entzündungen und Schmerzen (ZIES) über die Verbreitung, die Folgen bei Nichtbehandlung und Möglichkeiten der Prävention gesprochen.

Welche Relevanz hat das Thema Kopfschmerzen im Leben von Kindern und Jugendlichen? Wie viele leiden darunter?

Rund 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden unter wiederkehrendem Kopfschmerz. Unsere Forschung zu dem Thema ergab, dass jeder Fünfte dadurch erhebliche Einschränkungen in Schule und Freizeit erfährt.

Internationale Studien zeigen, dass sich die Häufigkeit von Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter in den letzten Jahrzenten vervielfacht hat. Wie erklären Sie sich den deutlichen Anstieg?

Unsere Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass unregelmäßige Essens- und Schlafenszeiten das Schmerzgeschehen besonders prägen. Deshalb halten wir es für plausibel, dass gesellschaftliche Trends, wie die flexiblere Gestaltung des Familienalltags und eine größer gewordene Termindichte, in der Freizeit entscheidende Faktoren sind.

Wird das Thema in unserer Gesellschaft verharmlost? Es sind ja „nur“ Kopfschmerzen?

Auch dank unserer gemeinsamen Arbeit sind Eltern und Lehrkräfte in den letzten Jahren etwas sensibler geworden. Dennoch beobachten wir nach wie vor und zwar bei allen von uns untersuchten Personengruppen, also auch bei Studierenden und berufstätigen Erwachsenen: Zu wenige konsultieren einen Arzt. Viel zu viele Betroffene nehmen in Selbstmedikation Schmerzmittel und gehen trotz erheblicher Beschwerden in die Schule, Hochschule und zur Arbeit. Nur jedem Dritten ist die Kopfschmerzart, unter der er leidet, bekannt. Eltern glauben ihren Kindern oft nicht, dass sie Kopfschmerzen haben und denken, es sei eine Ausrede um nicht in die Schule zu müssen. Hier hilft nur Aufklärung. Das Wissen zur Entstehung und Vorbeugung von Kopfschmerz macht Menschen zum eigenen Kopfschmerzexperten. 

Welche Folgen hat es, wenn ein Kind ständig unter Kopfschmerzen leidet?

Solange die Kinder die Ursache ihrer Beschwerden nicht kennen, sorgen sich viele, ob mit ihnen „alles in Ordnung ist“. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder von ihren Eltern und in der Schule ernst genommen werden. Der Kopfschmerz-Schnelltest nach Prof. Göbel hilft, eine erste Zuordnung seiner Kopfschmerzen zu erhalten. Der Test steht für Erwachsene als auch für Kinder zur Verfügung. Eine gründliche ärztliche Diagnostik sollte auf jeden Fall erfolgen. 

Obwohl Migränebetroffene ein besonders leistungsfähiges Gehirn haben, zeigen Kopfschmerzkinder in der Schule häufiger Gefühle der Überforderung und Einsamkeit als ihre kopfschmerzfreien Mitschüler. Sie müssen in schmerzfreien Phasen den Unterrichtsstoff nachholen und sich gleichzeitig auf die neuen Inhalte konzentrieren. Hier sind vor allem an Migräne leidende Kinder im Nachteil und oft überfordert - die Folge: ihre schulischen Leistungen lassen nach.

Besorgniserregend ist auch, dass schon Siebtklässler versuchen, Kopfschmerzen mithilfe von Schmerzmitteln in den Griff zu bekommen, die nicht vom Arzt verordnet wurden. So leiden bereits 3,4 Prozent aller Kopfschmerzbetroffenen unter dem sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Die Kinder und Jugendlichen dürfen mit ihren Beschwerden und Problemen, die sich daraus ergeben können, auf keinen Fall allein gelassen werden!

Was können Eltern tun, um ihrem Kind zu helfen? Ab wann muss ich mit meinem Kind zum Arzt?

Das Wichtigste ist, das Kind mit seinen Beschwerden ernst zu nehmen. Wenn Kopfschmerzen wiederholt auftreten und nicht mit einer anderen Krankheit in Verbindung gebracht werden können, sollte man immer einen Arzt aufsuchen. 

Inzwischen ist bekannt, dass man Kopfschmerzen vorbeugen kann. Ein gleichbleibender Tagesablauf ist hierbei unerlässlich. Hierzu gehören regelmäßige Mahlzeiten und mindestens 2 Liter am Tag zu trinken sowie ausreichender Schlaf. Von Migräne betroffene Kinder sollten immer zur gleichen Zeit zu Bett gehen und aufstehen. Vor dem Schlafengehen hilft es vielen Migränebetroffenen, noch ein kleines Müsli oder Vollkornbrot zu essen und nach dem Aufstehen direkt zu frühstücken. So wird das Gehirn regelmäßig mit der erforderlichen Energie versorgt. Regelmäßige Pausen, auch von Bildschirmmedien, und nicht-verplante Freizeit sind unerlässlich. Viel Bewegung an der frischen Luft hilft besonders bei Spannungskopfschmerzen. Nach der Schule sollten die Kinder zunächst eine Pause machen bevor sie ihre Hausaufgaben erledigen. Übrigens helfen die Maßnahmen auch Erwachsenen, ihren Kopfschmerzen vorzubeugen.

Mit der „Aktion Mütze“ haben Sie eine Möglichkeit geschaffen, das Thema „Kopfschmerzen bei Kindern“ präsenter zu machen. Worum handelt es sich bei dem Projekt?

Im Rahmen der „Aktion Mütze“ erhalten Schulen in Deutschland die Möglichkeit, für ihre siebten Klassen Arbeitsmaterialien für die Unterrichtseinheit „Mütze hat den Kopfschmerz satt“ kostenfrei zu bestellen. Schülerinnen und Schüler mit und ohne Kopfschmerzen werden einbezogen. Wir wenden uns aber auch direkt an die Politik, insbesondere die Kultusbehörden und Gesundheitsministerien der Länder, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Mit einigen Landesinstituten führen wir gemeinsam Lehrerfortbildungen durch. Wir möchten die Prävention von Kopfschmerzen auf Dauer an den Schulen verankern. 

Um sich zu Hause mit dem Thema zu beschäftigen, bieten wir Familien mit Kindern zwischen 10 und 15 Jahren einen Comicfilm sowie den medizinischen Ratgeber „Mütze hat den Kopfschmerz satt“.

Was sind die konkreten Maßnahmen der „Aktion Mütze“ im Rahmen des Schulunterrichts?

Die Unterrichtseinheit „Mütze hat den Kopfschmerz satt“ macht zunächst deutlich, wie viele Kinder und Jugendliche unter wiederkehrenden Kopfschmerzen leiden. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, wie Kopfschmerzen entstehen, welche Arten von Kopfschmerzen es gibt und was sie selbst vorbeugend tun können. Hierzu erarbeiten sie einen individuellen Plan für hilfreiche Veränderungen in ihrem Alltag. Mithilfe eines Kopfschmerzfragebogens können sie herausfinden, ob ihre Beschwerden zu Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp oder Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch passen. Sie werden zudem für die Risiken einer unreflektierten Medikamenteneinnahme sensibilisiert.

Ganz wichtig ist, dass die Eltern durch einen Elternbrief, Elternabend und im Rahmen der Begleitforschung konsequent einbezogen bleiben und „Mütze“ auch den Austausch zwischen Kindern und Erwachsenen zum Thema Kopfschmerz fördert.

Schulen und Lehrkräften geben wir Hinweise, welche organisatorischen Anpassungen sinnvoll sind. Weil eine Veränderung der Rahmenbedingungen besonders anspruchsvoll ist, entwickeln wir Leitfäden für jedes Bundesland, die aufzeigen, welche Regularien es zu beachten gilt und welche Ressourcen für Maßnahmen zur Kopfschmerzprävention genutzt werden können. Dazu tauschen wir uns mit den Kultusministerien bzw. Senatsverwaltungen der Länder aus.

Haben Sie Ergebnisse zur Wirksamkeit? Gibt es Hinweise auf die Nachhaltigkeit der Maßnahmen? 

Die gibt es: Schon in der vorgelagerten Erprobungsphase konnten wir zeigen, dass die gedruckten Arbeitsmaterialien bei sehr vielen Schülerinnen und Schülern auch nach Abschluss der Unterrichtseinheit weiter in Gebrauch sind. Eine erste Auswertung zur Wirksamkeit der „Aktion Mütze“ hat ergeben, dass sich bei rund zwei Drittel der Kopfschmerzbetroffenen, die das Gelernte anwenden, der Kopfschmerz verbessert hat. Bei denen, die das Arbeitsheft „Mütze hat den Kopfschmerz satt“ weiterhin nutzen, haben sich die Kopfschmerzen sogar bei 85 Prozent verbessert. Erfreulich ist auch folgendes Ergebnis: Knapp 70 Prozent der kopfschmerzfreien Kinder konnten sich ein halbes Jahr später an die Unterrichtseinheit erinnern. 23 Prozent, also fast jeder Vierte, wendet das Gelernte im Alltag an. Damit ist es uns gemeinsam mit den „Aktion Mütze“ fördernden Krankenkassen erstmals gelungen, ein Angebot zur Kopfschmerzvorbeugung zu schaffen, von dem alle Schülerinnen und Schüler, mit und ohne Kopfschmerz, auf Dauer profitieren. 

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