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Datum:03.11.2022 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 13 Min.

Mediensucht – Wenn das reale Leben nicht mehr reicht

„Eine Runde noch! Bitte?“: Ob stundenlang in Computerspielen versinken oder endlos durch Social-Media-Posts im Internet scrollen: Facharzt Volker Mauck erklärt, wann Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen zur Sucht wird, welche Anzeichen es gibt und wie Prävention funktioniert.

Was ist eine digitale Sucht?

Bei so vielen digitalen Medien ist es gar nicht so einfach, die Begriffe richtig einzuordnen. Digitale Süchte können sehr unterschiedlich ausfallen. Die Forschung unterscheidet dabei zwischen einer Internetsucht (Onlinesucht) und Mediensucht im Allgemeinen. Bei einer Onlinesucht steht die problematische Internetnutzung im Vordergrund, Mediensucht erfasst auch andere digitale Medien, die offline genutzt werden.

Es sind jedoch besonders Online-Spiele und soziale Netzwerke, die einen großen Suchtfaktor haben. Einer aktuellen Studie der Universität Lübeck zufolge haben diese beiden Nutzungsarten des Internets ein vergleichbar großes Suchtpotenzial. Männer und Frauen sind dabei auch annähernd gleich häufig Betroffene von Onlinesüchten. 

Bei der Art der Internetnutzung zeigen sich allerdings deutliche Geschlechterunterschiede. So nutzen laut der Studie 77,1 Prozent der 14- bis 24-jährigen jugendlichen Frauen im Internet hauptsächlich soziale Netzwerke. 64,8 Prozent der jugendlichen Männer im gleichen Alter nutzen das Internet primär als Medium digitaler Spiele. Der Suchttrend, den Volker Mauck in unserem Video erklärt, ist entsprechend gut nachvollziehbar. Der Oberarzt an der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am ev. Klinikum Bethel erklärt im Video geschlechterspezifische Unterschiede bei der Internetsucht. 

Dr. Volker Mauck erklärt, wann Medienkonsum zur Sucht wird

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Wie viel Medienkonsum ist normal?

Eine Stundenanzahl für gesunden Medienkonsum zu nennen, ist nicht möglich. Denn eine intensive Beschäftigung mit Smartphone, Internetangeboten oder Videospielen spricht nicht unbedingt für eine Internetsucht oder Social-Media-Sucht. „Zumindest dann nicht, wenn Freizeitaktivitäten im realen Leben und der Alltag nicht eingeschränkt werden“, so Volker Mauck. Wichtig ist, dass die Mediennutzung – egal in welchem Alter – nicht den ganzen Tag in Anspruch nimmt. Kinder und Jugendliche sollen sich in der Freizeit auch mit Freunden, Aktivitäten oder auch mal sich selbst zu beschäftigen und früh lernen, Medien ungefragt auszuschalten. Es sollte auch kein Thema sein, einen Tag auf das Internet zu verzichten.

Wann wird Medienkonsum zur Mediensucht?

Der Übergang von einem intensiven, aber normalen Konsum bis hin zu einer exzessiven Mediennutzung und anschließender Internetsucht kann sehr fließend verlaufen, so Mauck. Die Verhaltensweisen der Betroffenen ähneln dabei denen einer Glücksspiel- oder Kaufsucht. Der Verdacht auf eine krankhafte Internetsucht liegt beispielsweise nahe, wenn Freundschaften von exzessiver Onlinenutzung abhängig scheinen. Bedenklich ist auch, wenn das virtuelle Leben mit dem Medium den Großteil des Tages bestimmt.

Welche Anzeichen für Mediensucht gibt es?

Die konkreten Symptome von Onlinesucht sind wissenschaftlich allerdings kaum standardisiert. Trotzdem gehen Psychologen und Mediziner davon aus, dass es typische Anhaltspunkte für Betroffene gibt, dass eine krankhafte pathologische Mediennutzung vorliegen kann. Verschiedene Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen können demnach Anzeichen für eine Abhängigkeit sein:

  • Betroffene verbringen den größten Teil der Zeit online, am Smartphone oder mit digitalen Spielen.
  • Es fällt es schwer, den Konsum zu reduzieren. Dazu zählt, das Handy beiseitezulegen, einen Tag lang keine Videospiele zu spielen oder auf das Internet zu verzichten.
  • Kinder und Jugendliche reagieren aggressiv und gereizt, wenn Eltern alternative Beschäftigungsmöglichkeiten vorschlagen. 
  • Soziale Beziehungen und Freizeitaktivitäten werden für das Medium vernachlässigt. 
  • Alles dreht sich nur noch um das Medium. Es ist kaum möglich, sich auf ein anderes Thema zu konzentrieren.
  • Innere oder körperliche Unruhe treten auf, wenn das Medium nicht in der Nähe ist. 
  • Das Ausmaß der Nutzung wird vor den Eltern heruntergespielt oder verheimlicht.
  • Es kommt zur Vernachlässigung schulischer und außerschulischer Verpflichtungen.
  • Es gibt keinen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus.

Auch Erwachsene haben immer häufiger einen problematischen Umgang mit Medien, der in Mediensucht umschlagen kann. Die Vernachlässigung der beruflichen Tätigkeit kann ein Anzeichen einer Onlinesucht sein. Auch Wut, Reizbarkeit oder Verzweiflung, wenn technische Geräte nicht verfügbar sind, können ein Indikator für eine Internetsucht sein.

Welche Gründe gibt es für Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen?

Die Gründe für eine Medien- und Internetsucht sind unterschiedlich. So sind viele zunächst schlicht begeistert von dem Medium und den zahlreichen Unterhaltungsmöglichkeiten, die es online gibt. Aus diesen Gründen kommt es besonders häufig zu einer Internetsucht:

  • Die Flucht vor Problemen in der realen Welt bei Streit mit Eltern, Geschwistern oder Freunden.
  • Stress in der Schule führt zur Flucht in virtuelle Welten und digitale Spiele.
  • Im Internet fällt es oft leichter als in der realen Welt auf Menschen zuzugehen. Die Anonymität online erzeugt ein Sicherheitsgefühl, das nicht aufgegeben werden möchte.
  • Bei Erfolg, beispielsweise in Online-Rollenspielen, werden Glückshormone freigesetzt. Deren positive Effekte möchten wiedererlebt werden. Spiele, bei denen  ein Levelaufstieg möglich ist und jeden Tag neue Funktionen freigeschaltet werden können, binden stark an sich.
  • Die Verfolgung einer Person über Social Media vermittelt schnell das Gefühl, jemanden richtig gut zu kennen. Diese Verbindung über das Medium soll aufrechterhalten werden.
  • Online-Spiele mit anderen Mitspielern vermitteln das Gefühl, nicht allein zu sein. In Zeiten der Corona-Pandemie hat sich dieser Effekt beim Ins-Netz-Gehen verstärkt.

Was sind die Folgen von zu viel Medienkonsum bei Kindern?

Ein ungesunder Umgang mit Medien wirkt sich vor allem auf die Stimmung der Betroffenen aus. Oft sind diese unausgeglichen und schnell gereizt. Zudem kann Internetsucht zu schlechteren Schulleistungen, Vernachlässigung sozialer Kontakte und allgemeiner sozialer Isolation führen. Zu viel Zeit in den sozialen Medien begünstig besonders bei jugendlichen Frauen ein unrealistisches, verzerrtes Körperbild. Essstörungen und die Notwendigkeit einer Therapie können die Folge sein. Bei Konsum von stark gewalttätigen Inhalten kann sich außerdem ein größeres Gewaltverhalten entwickeln. Zusätzlich zu einer Internetabhängigkeit oder Gaming Disorder sind bei Betroffenen Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, soziale Phobien und Probleme beim Schlafen und Lernen möglich.

Was können Bezugspersonen gegen Mediensucht tun?

„Vorbild sein, aktiv vorleben, wie gesunder Medienkonsum aussehen soll“, empfiehlt Volker Mauck als wichtigste Präventionsmaßnahme. Gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge als Familie abseits von Bildschirmen und Internet zeigen, dass das Leben auch in der realen Welt spannend und attraktiv ist. Die Gefahr einer Onlinesucht wird reduziert.

Eltern sollten außerdem das Gespräch zu ihren Kindern suchen und Grenzen setzen. Hierbei helfen Regeln für die Mediennutzung, die in der Familie vereinbart werden und die alle konsequent verfolgen. Eine klar festgelegte Medienzeit am Tag und eine Handy-freie-Zone am Esstisch sind zwei mögliche Optionen.

Wichtig ist auch, dass Eltern versuchen, sich zunächst über den digitalen Medienkonsum ihrer Kinder zu informieren. „Interesse zeigen und zu verstehen, mit welchem Medium und warum Kinder ihre Zeit im Internet verbringen“, ist ebenfalls eine gute Präventionsmaßnahme gegen Onlinesucht, so Volker Mauck. Kleinkinder bis 5 Jahre sollten aber noch gar keinen Umgang mit digitalen Medien haben. So sinkt die Wahrscheinlichkeit schon früh ein pathologischer Nutzer zu werden und eine Internetabhängigkeit zu entwickeln. 

Auch professionelle Hilfe kann eine sehr gute Option sein. Diese gibt es bei vielen ambulanten und stationären Angeboten im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich. „Immer mehr Drogenberatungsstellen haben Schwerpunkte für digitale Süchte und Abhängigkeit“, sagt Volker Mauck. Bei einem Termin mit einem Psychologen kann ebenfalls geklärt werden, ob problematisches Nutzungsverhalten eines Mediums vorliegt. Häufig tritt dieses bei Betroffenen auch in Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung auf, so Mauck. Die richtige Therapie ist nun entscheidend. Gemeinsam überlegen Kinder, Eltern und Profis anschließend, wie der individuelle Weg aus der Internetsucht zurück in das reale Leben aussehen kann. 

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