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Datum:15.12.2020 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 6 Min.

Medikamentensucht: Abhängigkeit auf Rezept

Zunächst helfen die Schmerzmittel, Schlaftabletten oder Beruhigungspillen, dann kann man nicht mehr ohne sie: Etwa zwei Millionen Deutsche sind medikamentenabhängig. Wie man die „schleichende Sucht“ erkennt und was man dagegen unternehmen kann, erklärt Suchtmediziner Stefan Kühnhold. 

Herr Kühnhold, was genau versteht man unter einer Medikamentenabhängigkeit?

Eine Medikamentenabhängigkeit ist eine oft schwere Erkrankung mit tiefgreifenden Veränderungen des ganzen Menschen. In den meisten Fällen steht eine Befindlichkeitsstörung oder Erkrankung am Anfang. Das heißt, die Einnahme des Medikaments wurde aus guten Gründen vom Arzt empfohlen. Werden die Medikamente dann aber zu lange, zu hoch dosiert oder ohne medizinische Notwendigkeit eingenommen, entsteht eine Abhängigkeit. 

Wie äußert sich diese Abhängigkeit?

Im Mittelpunkt steht das starke, unkontrollierbare Verlangen. Betroffene vernachlässigen private und berufliche Aktivitäten, um das Medikament zu beschaffen oder zu konsumieren. Außerdem fühlen sie sich schlecht, wenn sie es nicht bekommen und werden für ihre Umgebung unleidlich. Auch körperlich finden sich viele Veränderungen: Aufgrund einer Toleranzentwicklung muss zum Beispiel die Dosis gesteigert werden, weil die Präparate andernfalls nicht mehr wirken. Unter Umständen kommt es auch zu Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrasen und Schwitzen.

Welche Medikamente spielen hier die wichtigste Rolle?

Es gibt drei große Gruppen, die eine wichtige Rolle spielen. Die Benzodiazepine, also Hypnotika und Schlafmittel, die beruhigen, müde machen, Ängste und Anspannungen nehmen. Besonders häufig werden in den letzten Jahren auch die sogenannten Z-Substanzen (Zopiclon, Zolpidem, Anm. d. Red. ) als Schlafmittel konsumiert. Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Opioide: starke und sehr starke Schmerzmittel wie Tramadol oder Tilidin. 

Es ist oft die Rede von der „schleichenden Sucht“. Was bedeutet das?

Viele Betroffene, die in unsere Klinik kommen, erzählen die gleiche Geschichte: Nach einem schweren Lebensereignis oder einer Verletzung erhielten sie vom Arzt ein Medikament zur Linderung der Beschwerden. Zu Beginn ging es ihnen auch besser. Dann aber gewöhnte sich der Körper an die Substanz und die Wirkung ließ nach, woraufhin die Schlafstörungen oder Schmerzen wieder zunahmen. Weil Arzt und Betroffener die Beschwerden dann fälschlicherweise auf die Störung zurückführten und nicht auf die Entzugssymptome, erschien ihnen die weitere Einnahme als einzige Lösung – und die Abhängigkeit setzte sich fort. 

Welche Folgen kann eine Abhängigkeit haben?

Wie erwähnt, führen die Medikamente zu einer deutlichen Gewöhnung. In solchen Fällen verspricht das Absetzen keine sofortige Linderung: Es braucht manchmal Monate, bis der Körper in einen halbwegs normalen Zustand zurückkehrt. Außerdem schränkt die Abhängigkeit die Lebensqualität deutlich ein und endet nicht selten in psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Auch Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sind mögliche Folgen. 

Wie sehen die Behandlungsmöglichkeiten aus?

Spätestens, wenn es einem mehr selber gelingt, aufzuhören, sollte man professionelle Hilfe aufsuchen. Dazu wäre, je nach Störung, der Schmerztherapeut, Schlafmediziner oder Psychiater der nächste Ansprechpartner. Während der Behandlung wird dann schrittweise die Dosis reduziert. Zudem gibt es für Abhängige ein dichtes Netz von Suchtberatungen, die zum Beispiel bei der Suche nach Selbsthilfegruppen helfen. Scheitert die ambulante Therapie, hat sich der Aufenthalt in spezialisierten psychiatrischen Kliniken bewährt. 

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Stefan Kühnhold

Von Stefan Kühnhold

Stefan Kühnhold ist Chefarzt der Abteilung Suchtmedizin der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. 

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