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Datum:05.03.2021 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 7 Min.

Wenn die Lust zur Last wird: Was hilft gegen Pornosucht?

Anonym, immer verfügbar und nur einen Klick entfernt: Es war noch nie so einfach, Pornos zu schauen. Studien zufolge dreht sich etwa ein Drittel aller Inhalte im Internet um Pornografie. Problematisch wird es, wenn die Lust zur Last wird – und man in die Pornosucht schlittert. Was man dagegen unternehmen kann, erklärt Sexualtherapeutin Dr. Heike Melzer im Interview.

Frau Dr. Melzer, inwiefern hat sich Pornografie im Laufe der Zeit verändert?

Pornografie, also die Darstellung der menschlichen Sexualität oder sexueller Handlungen, findet sich schon in Höhlenzeichnungen aus der Steinzeit. Pornografische Inhalte haben schon immer der sexuellen Lust und Stimulation gedient, waren früher aber nicht so leicht und häufig konsumierbar. Bis vor wenigen Jahrzehnten war es schon aufregend, Nacktfotos zu sehen. Heute kann man mithilfe des Internets jederzeit und von jedem Ort aus auf eine riesige Auswahl vielfältiger Pornos zugreifen. 

Was passiert im Körper, wenn wir Pornos schauen?

Genau wie Sex mit einem realen Partner oder einer Partnerin aktivieren Pornos das Belohnungszentrum im Gehirn, das Botenstoffe wie Dopamin, Serotonin und Endorphin ausschüttet und damit für die sprichwörtlichen Glücksgefühle sorgt. Pornos stimulieren, wecken das sexuelle Verlangen und können das Liebesleben bereichern.

Grundsätzlich ist also erstmal nichts an ihnen auszusetzen. Die Übergänge zwischen gelegentlichem Konsum und Abhängigkeit sind aber oft fließend. Denn ähnlich wie bei Alkohol- oder Drogensüchtigen gewöhnt sich das Gehirn schnell an den Reiz. Und in der Folge braucht es immer häufigere und heftigere Pornos, um stimuliert zu werden und entsprechende Glücksgefühle zu erzeugen.

Die Zahl der Pornosüchtigen in Deutschland wird inzwischen auf circa eine halbe Million geschätzt. Wie erkenne ich, ob eine Sucht vorliegt?

Wenn man zwanghaft Pornos anschauen muss und nicht mehr aufhören kann. Der Konsum kann dabei von einem Porno täglich bis hin zu mehreren Stunden Konsum am Tag reichen. Ob eine Sucht vorliegt, erkennt man auch am sogenannten SAFE-Prinzip. Das S steht in diesem Zusammenhang für „Secret“: Betroffene halten ihre Sucht geheim, weil sie sich für ihren übermäßigen Konsum schämen.

A wie „Abusive“ bedeutet so viel wie missbräuchlich: Pornos werden übermäßig oft und lange angesehen und man zwingt sich sozusagen selbst zum Masturbieren. Das F leitet sich aus „Feelings“ ab, weil mit der Sucht Gefühle wie Langeweile, Trauer oder Wut kompensiert werden. Und wenn die Sucht in keinem emotionalen Bezug zu einer Person steht, stumpft die Person ab und fühlt sich leer, also „empty“ (E). 

Welche Folgen kann eine Pornosucht haben?

Eine Pornosucht kann weitreichende psychische und körperliche Auswirkungen haben. Aufgrund des übermäßigen Konsums reagiert man unempfindlicher auf gewöhnliche Reize – und das sexuelle Verlangen gegenüber der Partnerin oder dem Partner schwindet. Pornosüchtige Männer leiden in der Folge oftmals unter Erektionsstörungen und auch weibliche Betroffene klagen über mangelnde Erregung beim realen Sex.

Genauso wie Partnerschaften können natürlich auch freundschaftliche oder berufliche Beziehungen in die Brüche gehen, weil sich für die Erkrankten alles nur noch um Pornos dreht. Wer Grenzen überschreitet und zum Beispiel kinderpornografische Inhalte oder Vergewaltigungsszenen konsumiert, macht sich außerdem strafbar. Und es gibt auch nicht wenige Erkrankte, die in die Schuldenfalle tappen, weil sie zu viele kostenpflichtige Inhalte nutzen.

Und wie kommt man wieder raus aus diesem Teufelskreis? Wie überwindet man die Pornosucht?

Es ist wichtig, das eigene Verhalten zu reflektieren und sich seiner Sucht bewusst zu werden. Dazu gehört, sich über das Thema zu informieren und entsprechende Artikel und Videos anzuschauen. Eine Heilung basiert immer auf dem Eingeständnis und der Willenskraft der Erkrankten: Manche von ihnen schaffen es auf eigene Faust, indem sie einen „kalten Entzug“ machen und alle pornografischen Inhalte aus ihrem Leben verbannen.

Auch Selbsthilfegruppen im virtuellen oder realen Leben können helfen, weil man dort auf Verständnis trifft und sich austauschen kann. Durch Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga und Achtsamkeitsübungen kann man zudem lernen, seine Impulse zu kontrollieren. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu holen: Vielen Pornosüchtigen gelingt es mithilfe von Therapien, Suchtmuster zu durchbrechen und dem Teufelskreis zu entfliehen. 
 

Dr. Heike Melzer

Von Dr. Heike Melzer

Dr. Heike Melzer ist Paar- und Sexualtherapeutin aus München. In ihrem Buch „Scharfstellung – die neue sexuelle Revolution“ beschreibt sie die vielfältigen Veränderungen von Intimität und Sexualität durch die digitale Revolution. Mehr Informationen gibt es unter www.dr-med-heike-melzer.de.

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