Menü ausblenden

Kontakt

Service-Telefon

0800 1060100

Mo-Fr: 7.30 - 23.00 Uhr
Sa: 9.00 - 23.00 Uhr
So: 10.00 - 23.00 Uhr
Rückruf-Service

E-Mail

Nutzen Sie unser Kontaktformular, um uns eine Nachricht zu senden: Kontaktformular

Geschäftsstellen

Für eine schnelle Bearbeitung Ihrer Anliegen nutzen Sie bitte unsere zentrale Postanschrift:

Heimat Krankenkasse
Herforder Straße 23
33602 Bielefeld

Übersicht Geschäftsstellen

Datum:10.12.2020 - Kategorie:Familie
Lesedauer:ca. 16 Min.

Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern – nur eine Frage der Haut?

Neurodermitis gilt als die häufigste chronische Hautkrankheit im Kindesalter. Vor allem quälender Juckreiz, offene und nässende Hautstellen zählen zu den Symptomen. Woran Sie Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern noch erkennen, welche Ursachen und Therapien bekannt sind, erfahren Sie hier.

Neurodermitis bei Säuglingen und Kleinkindern – das Schlimmste ist der Juckreiz

Finn hat sich wie so oft hinter einer Hecke versteckt. Seine Mutter Marla Ruge* ahnt, warum: Der Dreijährige hat den Juckreiz auf seiner Haut nicht mehr ausgehalten. Dann versteckt er sich, damit ihn niemand beim Kratzen entdeckt. Marla findet ihren Sohn mit blutiger Armbeuge. Finn weint. Er weiß, dass er lieber nicht kratzen sollte. „Manchmal muss ich einfach kratzen, weil es einfach zu doll juckt“, sagt Finn. Marla streicht ihm tröstend über den gesenkten Kopf. Wenn er kratzen muss, dann lässt sie ihn.

Vom Neugeborenen Ekzem zur Diagnose – wie fängt Neurodermitis bei Babys an?

Marlas Sohn Finn leidet an Neurodermitis. „Es begann mit einer untypischen „Baby-Akne“ am ganzen Körper, die lange anhielt“, erzählt Marla. Finn war zu dem Zeitpunkt vier Monate alt. Die endgültige Diagnose erhielt die Familie, als der Sohn gerade laufen konnte. Nach einer langen Elternzeitreise, berichtet Marla weiter, habe Finn plötzlich am ganzen Körper Pusteln und Ausschläge bekommen. „Es brach mir das Herz, meinem Sohn nicht wirklich helfen zu können. Besonders als Baby und Kleinkind war es furchtbar für uns alle, vor allem für Finn“, sagt Marla. 

Neurodermitis bei Neugeborenen – die Symptome

Neurodermitis, fachsprachlich „atopische Dermatitis“, ist eine entzündliche Hautkrankheit, die in Schüben auftritt. Zu den Symptomen zählen Hautrötungen, nässende und vor allem juckende Stellen. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge leidet in Deutschland bereits jedes 8. Kind an der chronischen Hautkrankheit. Bei einem Drittel der betroffenen Kinder verschwinden die Symptome mit der Zeit. Diese Kinder sind als Erwachsene vollständig beschwerdefrei.  

Wie sieht Neurodermitis bei Babys aus? 

Erste Anzeichen einer beginnenden Neurodermitis kann sogenannter Milchschorf in Gesicht und an den Außenseiten von Armen und Beinen sein. Dabei ist die Haut gerötet, nässt und ist mit Schuppenkrusten bedeckt, wie die Medizinerin Mareike Müller erklärt. Im späteren Verlauf entwickeln sich aus diesen Hautrötungen stark juckende, schuppige Ekzeme. Sie zeigen sich beim Säugling vor allem in Gesicht und im gesamten Kopfbereich. Bei Kleinkindern sind oft Armbeugen und Kniekehlen, Hals und Hände betroffen. Während eines akuten Schubs können sich diese Ekzeme auf die gesamte Hautfläche ausdehnen. Das Problem beim Kratzen: Bakterien und Viren können in die geschädigte Haut eindringen und Infektionen verursachen.

Warum Neurodermitis bei Babys auftritt – Ursachen der Hautkrankheit

Neurodermitis kann zu jeder Zeit auftreten, beginnt meistens aber schon im Säuglingsalter. Bis heute konnte die Medizin die Ursachen der atopischen Dermatitis nicht eindeutig klären. Neurodermitis sei, so die Dermatologin Dr. Sabine Schwarz von der Neurodermitis Hilfe Wien, in erster Linie eine genetisch bedingte Hautkrankheit. Kinder selbst betroffener Eltern haben somit ein wesentlich höheres Risiko, an Neurodermitis zu erkranken. 

Diagnose Neurodermitis beim Baby – eine erhebliche Belastung

„Wenn Kinder von Neurodermitis betroffen sind, ist das für die Familie eine gewaltige Belastung“, weiß Dr. Sabine Schwarz. Zumeist probieren die Eltern zahlreiche Therapie-Methoden aus, erklärt die Medizinerin. Sie suchen Hilfe in der Schul- sowie der Alternativmedizin. Diese Suche nach Linderung der kindlichen Beschwerden nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch. Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern stellt Eltern vor viele weitere Herausforderungen, die ihren Alltag bestimmen:

  • Die ganze Familie leidet unter Schlafmangel wegen des nächtlichen Juckreizes 
  • Viele Kinder werden gehänselt und gemieden wegen ihrer auffälligen Haut 
  • Familiäre Konflikte nehmen wegen der Belastung oft zu
  • Die Kinder sind von vielen Aktivitäten in Kindergarten und Schule ausgeschlossen (z. B. Schwimmen in Chlorwasser)

Es sei wichtig, so Sabine Schwarz, sich kompetente Hilfe beim Kinderarzt oder in einer Neurodermitis-Ambulanz zu holen. Sozialpädiatrische Zentren und Krankenkassen sind ebenfalls adäquate Ansprechpartner. 

Neurodermitis bei Babys – die Etagen-Verschiebung 

Bei einigen Patent*innen verschiebt sich die Symptomatik mit zunehmendem Alter. Es kommt zur sogenannten „Etagen-Verschiebung“. Betroffene Kinder entwickeln aus der Neurodermitis heraus Allergien gegen Lebensmittel, Hausstaub oder Tierhaare. Auch andere allergisch bedingte Beschwerden und die Ausbildung von Asthma stehen eng mit der „Vorerkrankung Neurodermitis“ in Verbindung. Neurodermitis selbst ist keine Allergie.

Kein Eis, kein Schoko-Riegel für Finn 

Auch Finn hatte im Alter von drei Jahren erste Atembeschwerden. Dazu diagnostizierten seine Ärzt*innen eine schwere Milch-Eiweiß-Allergie. Ihr Leben habe sich seit den neuen Diagnosen drastisch verändert, sagt Marla.

Ein Eis oder Schoko-Riegel spontan nach dem Kindergarten? Unmöglich.

Fast überall seien Spuren von Milcheiweiß enthalten. Marla ist mittlerweile zur Ernährungs-Expertin geworden.

Ernährung und Neurodermitis

Allergene in der Nahrung können Juckreiz, Hautrötung und Ekzeme hervorrufen. Deshalb macht eine allergen-arme Ernährung zur Grundbehandlung der Neurodermitis Sinn. Selbst wenn Allergie-Tests ergebnislos bleiben, können die kleinen Patient*innen auf Nahrungsmittel mit Unverträglichkeitsreaktionen reagieren. So, wie es auch bei Finn der Fall war. Kuhmilcheiweiß und Milcheiweiß gelten in unserem Kulturkreis als Hauptallergene. Auch Säuren können sich negativ auf den Hautzustand auswirken. Säuglinge werden oft wund, wenn sie viel Obst oder Obstsaft zu sich genommen haben. So verhält es sich auch bei der Neurodermitis. Eine säure- und zuckerreiche Ernährung ist Gift für das Hautbild von Neurodermitiker*innen. 

Neurodermitis bei Babys – vorbeugen statt heilen

Experten der WHO empfehlen, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten voll zu stillen. Die Beikost sollten Eltern erst nach Vollendung des 4. Lebensmonats einführen. Dadurch sinkt laut WHO das Risiko, an atopischer Dermatitis zu erkranken. 

Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern – Umweltreize spielen eine Rolle

Kinder, die an atopischer Dermatitis leiden, reagieren überempfindlich auf Reize, die Menschen mit gesunder Haut gut vertragen. Ihre Haut reagiert mit Krankheitssymptomen auf Wärme, Kälte, Badezusätze, Werkstoffe wie Latex oder intensive Düfte. Auch Infekte, Impfungen oder das Zahnen des Kindes können sich negativ auf die Haut auswirken. Tierische Erzeugnisse wie Wollkleidung oder Felle vertragen Neurodermitiker*innen oft schlecht. 

Umweltbelastungen senken 

Umweltbelastungen können einfach und effektiv gesenkt werden: 

  • Kontakt mit (Schur-)Wolle vermeiden
  • Scheuernde Kleidungsstücke vermeiden 
  • Keine Schnuller, Windeln etc. aus Kunststoff und imprägnierte Kleidungsstücke verwenden
  • Reine Baumwoll-Unterwäsche nutzen
  • Keinen Weichspüler benutzen
  • Desinfektionsmittel auf der Toilettenbrille vermeiden, kann Kontaktekzem auslösen
  • Auf Badezusätze verzichten, Basen-Bäder bevorzugen
  • Neue Kleidung vor dem Tragen öfter waschen

Therapie-Möglichkeiten – was hilft gegen Neurodermitis bei Babys?  

Es gibt generell verschiedene Behandlungsansätze der Neurodermitis bei Babys. Wird in erster Linie die Haut behandelt, kommen Cremes und Salben mit rückfettenden oder entzündungshemmenden Wirkstoffen zum Einsatz. Auch die frühzeitige Pflege der Haut, das konsequente Eincremen des gesamten Körpers, scheint sich positiv auszuwirken. Das gilt auch für Kinder, die keine trockene Haut zu haben scheinen. Bei Neurodermitis hat die Haut die Eigenschaft verloren, Fett zu speichern. Außerdem verbessern Licht- und Klimatherapie mit viel Sonne und Salzwasser meist das Hautbild des Kindes. 

Behandlungsansatz: Gefühl von Trennung als Grund für Neurodermitis

Das „Gelsenkirchener Behandlungsverfahren“ erklärt die Entstehung der Erkrankung durch besonders stressvolle Trennungs-Situationen wie zum Beispiel:

  • Geburt durch Kaiserschnitt
  • Abstillen
  • Geburt eines Geschwisterkindes
  • Wohnort- oder Einrichtungswechsel

Nicht jede Trennung könne zur Erkrankung führen, heißt es in der Broschüre der Gelsenkirchener. Die Trennungs-Situation, die zur „Kränkung“ geführt habe, löse über eine Fehlregulation der Immunabwehr bzw. eine Fehlsteuerung der Haut eine Neurodermitis aus. Wenn sich solche Situationen wiederholen, würde das Kind den Trennungsschmerz unbewusst erinnern. Und diese Fehlverknüpfung löse dann immer wieder neurodermitische Schübe aus. (Quelle: Neurodermitis- das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren, Broschüre zu beziehen über „Allergie und umweltkrankes Kind e.V., Bundesverband, Westerholter Straße 142, 45892 Gelsenkirchen) Das Gelsenkirchener Behandlungsmodells gilt als umstritten und ist wissenschaftlich nicht anerkannt. Als wissenschaftlich gesichert gilt hingegen, dass sich Stress und psychische Belastungen negativ auf das Hautbild von Neurodermitiker*innen auswirken kann.

Finns Trennungsschmerz?

Finn ist ein Not-Kaiserschnitt-Kind. Nach der Geburt musste er sofort medizinisch versorgt und von seiner Mutter getrennt werden. Marla konnte ihn später nur kurze Zeit stillen, die Milch reichte nicht aus. „Wäre die Geburt anders verlaufen, hätte Finn vielleicht keine Neurodermitis bekommen“, sagt Marla. So, wie sie es vier Jahre später mit Jela*, ihrem zweiten Sohn, erlebt. Auch Jela ist ein Kaiserschnittkind. Nur war der geplant, aus medizinischen Gründen. Sie und ihr Mann Tim* konnten das Kind sofort nach dem Eingriff in die Arme schließen. Milch habe Marla genug für drei Kinder, erzählt sie und lacht erleichtert.

Sie tupft Finns nässenden und blutenden Fuß trocken. Die Salbe wird sie auftragen, nachdem die Wunde nicht mehr blutet. „Er hat wohl wieder was mit Spuren gegessen“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Zumindest habe er seit drei Wochen keine Bronchitis mehr gehabt. Finn rennt zur Terrassentür. Er will im Garten Fußball spielen. Seit ein paar Monaten leben Ruges auf dem Land. „Hier finden wir Ruhe und die Luft ist wesentlich sauberer als in Hamburg“, sagt Marla und küsst ihren Säugling auf die Nase. Jelas Haut ist glatt, weich – und bis jetzt gesund. 

*Name wurde von der Redaktion geändert

Tanja Conrad

Von Tanja Conrad

Tanja Conrad ist Mutter, Pädagogin, Musikerin, Journalistin und Gründerin des Blog-Magazins "NoRisk. NoMum.". Sie schreibt über bewusste Elternschaft, Gesundheit, Reisen und Green Living.

Artikel teilen

Weitere Angebote

Oft gesucht

Seiten

Häufige Fragen

Leistungen

Downloads

Alle Ergebnisse anzeigen