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Datum:03.11.2020 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 10 Min.

Tabuthema Verdauung: Was tun bei Durchfall und Verstopfung?

Es gibt gesundheitliche Themen, über die wird wenig gesprochen. Der Stuhlgang gehört dazu. Dabei ist genau das wichtig, um Magen-Darm-Erkrankungen vorzubeugen.

Über unsere Verdauung sprechen wir nicht gern

„Mama, bin fertig!“ Anders als Kinder, die mit diesem Ausruf völlig ungeniert signalisieren, dass sie das große Geschäft erledigt haben und die Mutter mal bitte zum Po-Abputzen kommen soll, sind derartige Konversationen im Erwachsenenalter eher selten. Als unangenehm, peinlich und ekelig empfinden wir Stuhlgang und Magen-Darm-Geschichten.

Durchfall oder Verstopfung? Eher Tabuthemen. Dabei wird jeder von uns sowohl das eine als auch das andere immer wieder mal durchleben. Wichtig ist, zu erkennen, wann ein Arzt konsultiert werden sollte.

Wie viel Stuhlgang am Tag ist normal?

Wie oft hat ein gesunder Mensch Stuhlgang? „Von alle drei Tage einmal bis dreimal am Tag ist alles noch normal“, sagt Dagmar Mainz, Gastroenterologin aus Saarlouis. Die Menschen seien eben unterschiedlich und jeder Darm anders. „Manch ein Darm ist eher lebhaft, andere hingegen sind etwas träge.“

Die Häufigkeit und Festigkeit des Stuhlgangs hänge maßgeblich auch mit der Ernährung und den Lebensgewohnheiten zusammen. Für einen gesunden Darm ist eine ausgewogene Lebensweise wichtig. „Ballaststoffreiche Vollkornprodukte, Obst mit Schale, Gemüse, Salat und ausreichend Flüssigkeit“, nennt Mainz wesentliche Bausteine. Weißbrot und der Verzicht der genannten Lebensmittel führe eher zu Verstopfungen.

Was macht der Darm bei Stress?

Wer schon einmal eine wichtige Prüfung geschrieben hat, der wird das Gefühl des nervösen Magens kennen. Der Gang zur Toilette kurz vorher ist keine Seltenheit. Denn nicht nur Bewegung fördert die Muskelbewegungen des Darms, auch Stress spielt eine Rolle. „Die Stresshormone bewirken, dass sich der Darm schneller bewegt“, sagt Mainz. Fürchten, dass dies auf ein Krankheitsbild schließen lässt, muss man daher also nicht.

Durchfall: Wann zum Arzt?

Eine Überprüfung des Stuhlgangs sollte eher bei ungewöhnlich langanhaltenden Durchfällen vorgenommen werden. Als Durchfall werden „breiig oder wässrige Portionen, die mehr als drei Mal täglich anfallen“ bezeichnet. Wenn dies auf die Ernährung zurückzuführen ist, dann ginge das nach ein, zwei Tagen wieder weg, sagt Mainz.

Manchmal liege dies an sogenannten Lebensmitteltoxinen, die sich auf der Nahrung halten. Hält der flüssige Stuhl aber länger als zwei Wochen an, „dann sollte man das untersuchen lassen, um einen möglichen Erreger zu bestimmen“, erklärt die „Magen-Darm“-Ärztin.

Bei Durchfall besser keine Lebensmittel, die stopfen

Ob Norovirus, Campylobacter-Bakterium oder Salmonellen: Bei diesen Magen-Darm-Erkrankungen empfiehlt Mainz keine besondere Behandlung, wenn Betroffene über dies hinaus gesund sind. Salzstangen, Zwieback und andere trockene Dinge zu essen, empfiehlt sich nicht.

„Bei infektiösen Durchfällen nicht stopfen. Wir wollen, dass die Erreger mit dem Stuhl nach draußen gelangen.“ Wichtig sei in solchen Fällen, den Wasserhaushalt des Körpers aufrecht zu erhalten. Einfaches Mineralwasser würde reichen, ansonsten gibt es auch spezielle Elektrolyt-Lösungen.

Anders sehen Behandlungen aus, wenn Betroffene etwas älter sind oder Begleiterkrankungen haben. „Dann würde man mit Infusionen helfen und gegebenenfalls doch ein Antibiotikum einsetzen“, sagt Mainz. Hier sei aber immer eben auch auf die Begleiterkrankungen zu achten.

Zudem seien Bakterien wie das immer häufiger auftretende Clostridium difficile zunehmend resistenter und virulenter und können so mehr Krankheitssymptome und schwerere Darmentzündungen verursachen. Diese können bei einem ohnehin geschwächten Immunsystem schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.

Wann spricht man von Verstopfung und was hilft?

Wer nun eher Probleme hat, seinen Stuhl nach draußen zu befördern, der muss sich im Falle eingangs erwähnter Faktoren eher wenig Sorgen machen. Von Verstopfung spricht man laut Mainz, wenn man länger als drei Tage nicht auf der Toilette war und die Beschaffenheit des Stuhlgangs hart ist. Zudem deutet ein erschwerter Ausgang des Stuhls auf eine Verstopfung hin, etwa weil „der Stuhl hart verkrustet im Enddarm liegt“.

Auf natürlichem Wege helfe etwa die mediterrane Kost mit Salat, Fisch, Olivenöl und Co. Diese Lebensmittel seien auch angesagt, wenn man sich, etwa im Urlaub, auf eine völlig andere Ernährung als gewöhnlich umstellt und sich deutlich weniger bewegt als sonst. Auch probiotischer Naturjoghurt oder in Wasser aufgelöstes Flohsamenschalenpulver machen den Stuhl weich.

Wichtig: Regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge

„Letztendlich muss man auch bei einer Verstopfung schauen, woran es liegt“, sagt Mainz. Was ist, wenn man häufiger verstopft ist? „Wenn es nach zwei, drei Wochen nicht auf die Ernährung oder den Bewegungsmangel zurückzuführen ist, dann sollte man das überprüfen lassen.“

Alarmsymptome sind auch das plötzliche Auftreten von Blut im Stuhl. „Im schlimmsten Fall kann es sich um einen Darmverschluss durch zum Beispiel einen Tumor handeln, der die Stuhlpassage behindert“, sagt die Expertin.

Als Fachärztin kann Mainz die Darmvorsorge nur empfehlen. Die Krankenkasse übernimmt diese bei Männern ab 50, bei Frauen ab 55 Jahren. „Hatten erstgradige Verwandte bereits in jüngeren Jahren eine Darmerkrankung, so ist eine frühere Untersuchung in jedem Fall ratsam, meist ab 40“, sagt Mainz. Vorstufen des Dickdarmkrebses beispielsweise bemerke man zunächst nicht. „Man kann viel verhindern, wenn man etwas rechtzeitig entdeckt, also auf seinen Bauch und Stuhlgang achtet und die Dinge dann aber auch offen anspricht. Das ist kein Tabuthema!“

Darm-Kuren: Nicht auf jeden Trend-Zug aufspringen

Ob nun verschiedene Darmkuren hilfreich sind, um Erkrankungen vorzubeugen? „Nein, davon halte ich wenig. Beim längeren Fasten geht der Körper an seine Reserven und es fallen Giftstoffe wie Harnstoff und -säure an. Zudem kann die Galle bei Menschen eindicken, die zur Bildung von Gallensteinen neigen.“

Auch von Darmspülungen, sogenannten Darmlavagen, rät Mainz ab. Diese spülen das Mikrobiom heraus – die Bakterien im Darm. Und diese sind unabdingbar für die Gesundheit des Menschen. Sie haben unter anderem Einfluss auf die Leber und auch auf die Psyche. Je vielseitiger das Mikrobiom ist, desto besser. „Diese Vielseitigkeit erreicht man eben durch die ausgewogene und abwechslungsreiche Kost“, sagt Mainz.

Dr. med. Dagmar Mainz

Dr. med. Dagmar Mainz ist Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie. Unter www.magen-darm-aerzte.de gibt es eine Facharztsuche und detaillierte Informationen rund um das Thema Darmkrebsvorsorge.

Foto: Copyright Benno Leinen

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