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Datum:05.09.2022 - Kategorie:Gesundheit
Lesedauer:ca. 15 Min.

Verdauungsprobleme: Was tun bei Durchfall und Verstopfung?

Es gibt gesundheitliche Themen, über die wird wenig gesprochen. Der Stuhlgang gehört dazu. Dabei ist genau das wichtig, um Magen-Darm-Erkrankungen zu erkennen und richtig zu behandeln. Wie Sie vorübergehenden Durchfall oder Verstopfung von einer ernst zu nehmenden Erkrankung unterscheiden, erfahren Sie im Artikel.

Wie läuft die gesunde Verdauung ab?

Die aufgenommene Nahrung durchläuft ein hochkomplexes Verdauungssystem, bevor der unverdauliche Rest auf der Toilette ausgeschieden wird. Die Verdauung beginnt mit der mechanischen Zerkleinerung der Nahrung im Mund durch die Zähne. Durch die Speiseröhre rutscht der Nahrungsbrei in den Magen, wo er sich mit dem Magensaft zu einem Speisebrei vermischt.

„In Magen und Darm passiert die chemische Verdauung durch die Enzyme, welche die Nahrung in ihre kleinsten Bestandteile aufspalten“, erklärt Dr. med. Holger Kronsbein, leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie am Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld. Die jeweiligen Enzyme funktionieren nur bei bestimmten pH-Werten. Das Enzym Pepsin im Magen benötigt etwa pH=2, damit es die Eiweiße aufspalten kann. Die Enzyme im Dünndarm arbeiten jedoch nur im neutralen bis leicht basischen Bereich. Deshalb wird dem von der Magensäure sauren Speisebrei Bicarbonat beigemischt, bevor er den Magen verlässt. Das lässt ihn neutral werden, sodass die Enzyme aktiv werden können.

Was eine gute Verdauung ausmacht

Über den Magenpförtner gelangt der Speisebrei portionsweise vom Magen in den Zwölffingerdarm, den ersten Abschnitt des Dünndarms. In den Zwölffingerdarm münden der Gang von Bauchspeicheldrüse und der Gallengang, die hier ihre Verdauungssäfte und Enzyme einspeisen. Durch wellenförmige Bewegungen schiebt die Darm-Muskulatur den Speisebrei Stück für Stück vom Magen bis zum Darmausgang. In Leerdarm und Krummdarm, dem mittleren und letzten Abschnitt des Dünndarms, passiert die eigentliche Verdauung. Hier werden die Enzyme mit dem Nahrungsbrei vermischt und die Nahrung in Aminosäuren, Fettsäuren und Glukose aufgespalten. Diese enthaltenen Nährstoffe werden über die Darmschleimhaut in die Blutbahn aufgenommen.

Durchfallerkrankungen, die mehrere Tage anhalten, sollten weiter untersucht werden.

Vom Krummdarm gelangt der Speisebrei in den Dickdarm. Insbesondere bei einer gesunden, ballaststoffreichen Ernährung bleibt immer ein unverdaulicher Rest, der über den Darmausgang ausgeschieden wird. Diese unverdaulichen Nahrungsbestandteile sind langkettige Kohlehydrate, welche von den Enzymen im Dünndarm nicht gespalten werden können. Diese sogenannten Ballaststoffe erreichen den Dickdarm. Dort beherbergen wir zehnmal mehr Bakterien, als wir Körperzellen haben.

„Diese Organismen ernähren sich von der Nahrung eines Wirtsorganismus, ohne ihn zu schädigen“, erklärt Kronsbein. Sie profitieren davon, dass der menschliche Körper nicht alle Stoffe über den Dünndarm aufnehmen kann. Die Bakterien spielen eine wichtige Rolle für die gesunde Verdauung: Sie sind in der Lage, die langkettigen Kohlenhydrate aufzuspalten. Dadurch können sie über die Dickdarmschleimhaut aufgenommen werden. Die Qualität dieser Bakterien und damit unserer Darmflora wird maßgeblich von der Qualität unserer Ernährung beeinflusst.

Wie kommt es zu Durchfall und wann zu Verstopfung?

Die „guten“ Bakterien schützen uns auch vor sogenannten „schlimmen“ Bakterien, den Clostridien. Viele Menschen beherbergen auch Clostridien im Dickdarm. Eine gesunde Darmflora hält sie unter Kontrolle, sodass sie nicht überschießend wachsen und den Menschen krank machen. Nimmt man jedoch etwa Antibiotika ein, werden die guten Bakterien reduziert. Dadurch vermehren sich die schädlichen Bakterien wie Clostridien und der Mensch erkrankt. Einige Patienten bekommen dann Durchfall, den man wiederum mit anderen Antibiotika behandeln muss.

Ab wann spricht man von Durchfall?

Bis zu dreimal am Tag Stuhlgang ist normal, bis dreimal die Woche. Von Durchfall spricht man bei mehr als drei breiigen, flüssigen Stuhlgängen pro Tag. Dabei unterscheidet man akute und chronische Durchfälle. Hat man etwas gegessen, das man nicht verträgt, geht der Durchfall nach ein, zwei Tagen von selbst weg. Akuter Durchfall verschwindet innerhalb von maximal vier Wochen von allein. Von chronischem Durchfall sprechen die Ärzte, wenn er länger als vier Wochen andauert.

Durchfall – was tun?

„Durchfallerkrankungen, die mehrere Tage anhalten, sollten weiter untersucht werden“, sagt Kronsbein. Zunächst können Stuhlproben auf krank machende Keime (verschiedene Bakterien und Viren) untersucht werden. Eine spezielle, d.h. antibiotische Therapie ist in der Regel nicht erforderlich. Medikamente, welche die Bewegungen des Verdauungstraktes hemmen, empfiehlt Kronsbein nicht. „Die schädlichen Keime sollen den Darm ja wieder verlassen.“ Wichtig ist, genug, zu trinken, um einen Volumen- und Elektrolytverlust auszugleichen. Betroffene sollten Schonkost essen: Zwieback, Salzstangen, Reis sind erlaubt, fettreiche Nahrungsmittel und fructosereiche Säfte meiden.

Bessert sich der Durchfall nach spätestens vier Wochen nicht oder werden Blutbeimengungen bemerkt, ist eine Darmspiegelung notwendig.

Mögliche Ursachen von Durchfall  

Durchfall kann organische Ursachen haben. Er kann auftreten, wenn im Darm nicht genug Fläche zur Aufnahme der Flüssigkeit oder der Nährstoffe zur Verfügung steht. Patienten, die am Dünndarm oder Dickdarm operiert wurden, haben entweder zu wenig Fläche, um die Nahrung aufzunehmen, oder um dem Stuhl genügend Flüssigkeit zu entziehen. Das passiert im Dickdarm. Auch Entzündungen des Dünndarms verkleinern die Aufnahmefläche. Bei Menschen, die kein Gluten vertragen, kann sich eine Zottenatrophie entwickeln. Die im Normalfall dicht gefalteten Darmzotten flachen ab. Dadurch verringert sich ihre Oberfläche und sie können nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen. Die Masse verbleibt dann im Darmschlauch. Betroffene scheiden viel Nahrung und Flüssigkeit aus. Das führt zu Durchfall.

Verdauung Probleme

Eine weitere mögliche Ursache von Durchfall kann auch eine nicht funktionierende Bauchspeicheldrüse sein. Wenn sie zu wenig Enzyme bildet, kann die Nahrung nicht aufgespalten und aufgenommen werden und verbleibt im Darmschlauch. Auch das kann in Durchfall resultieren.

Eine Überfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls zu Durchfall führen. Sie verursacht vermehrte Bewegungen des Dünndarms, die den Speisebrei zu schnell durch den Darm schieben. Dadurch können die Nährstoffe nicht aufgenommen werden.

Entzündlich bedingte Veränderungen des Darms können ebenso die Ursache von Durchfall sein. Chronisch entzündliche Erkrankungen haben dabei nichts mit einer bakteriellen Infektion zu tun. Auch Keime, Bakterien oder Viren können Durchfall verursachen.

Mögliche Symptome von Verstopfung:

  • Seltener als dreimal die Woche Stuhlgang
  • harter Stuhl, wodurch der Stuhlgang unangenehm ist
  • starkes Pressen ist nötig, um den Stuhl loszuwerden
  • das Gefühl der inkompletten Leerung, nicht alles losgeworden zu sein
  • Gewichtsverlust
  • Blut im Stuhl
  • Fieber

Faktoren, die Verstopfung begünstigen:

  • Eine ballaststoffarme Ernährung
  • zu wenig zu trinken (weniger als 1,5 Liter pro Tag)
  • fehlende körperliche Bewegung
  • Medikamente: Opiate (Schmerzmedikamente) haben als Nebenwirkung, dass der Darm träger wird; auch entwässernde Medikamente führen zur Darmträgheit und Verstopfung
  • Unterfunktion der Schilddrüse

Das hilft bei Verstopfung:

  • viel trinken (mindestens 2 Liter pro Tag)
  • Vollkornprodukte
  • Äpfel, Apfelsaft
  • mediterrane Kost mit Salat, Fisch und Olivenöl
  • probiotischer Naturjoghurt
  • getrocknete Feigen oder Datteln
  • in Wasser gequollene geschrotete Flohsamenschalen
  • Bewegung

Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann man auf Abführmittel zurückgreifen. Bei sehr hartnäckigen Fällen können auch Medikamente eingesetzt werden, die normalerweise zur Darmreinigung bei einer geplanten Darmspiegelung genutzt werden. Z.B. Macrogol bindet wie alle Laxantien Wasser im Dickdarm und erhöht so das Stuhlvolumen und macht den Stuhl flüssiger.

Funktionelle Ursachen von Verstopfung

Verstopfung kann funktionelle Ursachen haben: Wenn die Beweglichkeit des Darms zu gering ist, um innerhalb von 48 Stunden einen Toilettengang zu ermöglichen. Es kann auch ein mechanisches Problem vorliegen: Ein Tumor im Dickdarm oder im Enddarm oder eine Engstelle nach einer Entzündung können dazu führen, dass kein normaler Stuhlgang mehr möglich ist.

Wann spricht man von einem Reizdarm und wann ist es ein Durchfall bzw. Verstopfung?

„Das ist nicht immer leicht voneinander zu trennen“, sagt Kronsbein. Voraussetzung, um einen Reizdarm diagnostizieren zu können, ist, dass der Arzt sämtliche andere Erkrankungen ausgeschlossen hat. Schon Hippokrates beschrieb vor 3.000 Jahren Reizdarmsymptome. Bis heute kennen Experten nicht die genauen Ursachen. Sie vermuten, dass eine Überempfindlichkeit des Darms eine Rolle spielt. Eine weitere Vermutung ist, dass bei Betroffenen die Darmbeweglichkeit ein Problem darstellt und es bei ihnen nicht immer zu den geordneten wellenförmigen Bewegungen kommt. Häufig tritt das Reizdarmsyndrom nach einem Magen-Darm-Infekt auf. In den vergangenen zwei Jahren hatten viele von Kronsbeins Patienten zuvor eine Covid-Infektion mit Darmbeschwerden. Ein kleiner Teil von ihnen leidet auch lange Zeit nach der Covid-Infektion noch an Darmbeschwerden.

Reizdarm Symptome

„Es gibt den Durchfall-dominanten Reizdarm, den Verstopfung-dominanten Reizdarm und den Schmerz- und Blähung-dominanten Reizdarm“, erklärt Kronsbein. Die aktuellen Leitlinien geben drei Kriterien vor, um einen Reizdarm zu diagnostizieren:

  1. Die chronischen Beschwerden bestehen länger als drei Monate und gehen in der Regel mit Stuhlgangveränderungen einher.
  2. Aufgrund der Symptome ist die Lebensqualität des Patienten deutlich beeinträchtigt.
  3. Es liegen keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vor, welche die Symptomatik erklären können.

„Bevor Sie die Diagnose Reizdarm stellen, müssen Sie alle anderen Krankheiten ausgeschlossen haben“, sagt Kronsbein. Die Patienten werden einmal komplett durchgecheckt per Ultraschall, Blutbild, Magenspiegelung mit Probenentnahme sowie Darmspiegelung mit Probenentnahme. „Das muss alles unauffällig sein. Es darf keine fassbare organische Ursache vorliegen, sonst ist es kein Reizdarm.“ Anders ausgedrückt: Wenn man keine andere organische Ursache findet, ist der Reizdarm wahrscheinlich. 

Anne Neul

Von Anne Neul

Anne Neul ist Redakteurin der Neuen Westfälischen, freie Journalistin, Life Coach und Mutter eines Sohnes. Ihre Themen-Schwerpunkte sind Schwangerschaft & Geburt, Gesundheit, Familie und persönliche Weiterentwicklung.  

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